Synapsenchaos
2012
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Zufälle

Die drei Kinder, die alle den selben dritten Vornamen tragen, haben ihr gesamtes Leben lang am selben Wochentag Geburtstag. 

synapsenchaos 18.05.2012, 12.48 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Heimlich, still und leise.

Selbst wenn ich es nicht wollte, so muss ich doch diesem Drang nachgeben, weil ich sonst platzte. 

synapsenchaos 18.05.2012, 12.44 | PL | einsortiert in:

Remis

"Du bist frei, flieg davon!", wispert die kleine Elfe mir zu und öffnet unsere Käfigtüren, während sie schon aufgeregt mit ihren zarten glitzernden schwarzen Flügeln in Freiheit hin und her flattert.
Nur ich sitze da wie ein bockiger dicker Vogel und finde, dass so ein Käfig mit offener Tür eigentlich keiner mehr ist.
Außerdem kann ich gerade nicht losfliegen - ich bin in der Mauser.

synapsenchaos 15.05.2012, 13.16 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

kleine Schritte

Heute ist einer der Tage, an denen ich mich frage, warum ich nicht den anderen Weg gegangen bin. Keine Familie, keine sozialen Kontakte, Betreuungsverhältnis, Arbeitsunfähigkeit, Rente.
Schon wenn ich es schreibe, spüre ich, dass das niemals mein Weg hätte sein können, weil ich trotz aller Dämonen und aller Nächte wie diese wieder eine war ihnen niemals zugestehen würde, mich auch nur ansatzweise offiziell beherrschen zu dürfen.
Ich KANN ein normales Leben führen, ich bezahle für Kinder und Mann und den Zwang, nach draußen gehen zu müssen einen enorm hohen Preis, doch für mich gibt es schlicht keine Alternative. Niemals.
Jeder Tag ein neues Trauma, doch jeder weitere Tag, den ich aufstehe, mich berühren lasse, körperlich, geistig... ohne schreiend davon zu rennen gleichzeitig ein Triumph über die Panik, die Angst- und Beklemmungszustände, den Schmerz, die Trauer.

synapsenchaos 14.05.2012, 10.25 | PL | einsortiert in:

Gute Entscheidungen

Ich sehe jeden Tag, wie schwer sie sich damit tun, in einer normalerweise gleichberechtigten Beziehung die Führung zu übernehmen.
Ich sehe die Unsicherheit beim großen Tochterkind, die Angst, es nicht perfekt zu machen.
Die Angst vor der eigenen Courage beim Kobold, wenn er seiner großen Schwester ihre Aufgabe zuteilt. Und die enorme Erleichterung, sich getraut zu haben.
Die Übersichtsschwierigkeiten bei der Motte, die ihrem geringen Alter geschuldet sind und dann wiederum die Nachsicht der Großen, die ihr das Gefühl geben, das Kommando zu haben und ihr trotzdem kleine Hilfestellungen geben.
Es ist wohl eine der schwersten Aufgaben, andere Menschen so zu führen und anzuleiten, dass sie es gerne annehmen.
Unsere tägliche Achtsamkeitsübung im kleinen Kreis der Familie ist schon eine enorme Herausforderung für die drei.
Und was ich da aus der Küche höre, lässt mich frohlocken, wenn der Kobold seine große Schwester rügt: "Ich finde, dass du heute nur rumkommandierst und überhaupt nicht sagst, dass wir das gut machen. Ich fühle mich überhaupt nicht gesehen von dir."
Es arbeitet. In ihnen allen.

synapsenchaos 11.05.2012, 13.58 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Wehmut

Was habe ich denn nur erwartet?
Offene Arme?
Die Beteuerung, mich zu lieben und ohne mich nicht leben zu können?
Ich Narziss.
Gefangene meiner eigenen Eitelkeit, gefesselt an die erfundenen Bilder meines in mich selbst verliebten Gehirns.
Mehr war es ohnehin nie.
Mein größtes Laster ist wohl die Kopflosigkeit des Herzens, jene, die mir mehr Schwierigkeiten bereitet denn Vorteile bringt, weil die anderen einfach absteigen, wenn das Pferd tot ist, während ich noch obenaufsitze und den Gaul anschreie, gefälligst wieder aufzustehen - zu verliebt in die Idee, auf eben diesem Tier in den Sonnenuntergang zu reiten, Zeit und Wegstrecke verlierend, weil ich nur mich sehe.

Aber auch das prachtvollste Tier wird hässlich, wenn es in zu großer Hitze schlussendlich verrottet.

(Und während ich mich meinen rosafarbenen Kleinmädchenträumen hingebe, versetzen zwei kleine Worte dem Herzen den finalen Todesstoß. Idiot. Ich.)

Gehe ich eben allein in diesen beschissenen Sonnenuntergang.

synapsenchaos 11.05.2012, 13.02 | PL | einsortiert in:

Hallo Murphy

...und jetzt mach ich den falschen Klick und nach einer halben Stunde Texteingabe ist der gesamte lange Text weg.
Muss nach dieser Katastrophe wohl auch noch so.

synapsenchaos 10.05.2012, 14.47 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Abschied.

Es geht los.
Langsam, schnell, manchmal schleichend, manchmal überwältigt es mich mit aller vorhandenen Intensität.
Wenn jemand Urlaub macht und ich mich frage, ob ich ihn noch mal sehe.
Wenn man mündliche Vorabeinladungen für in zwei Monaten erhält und zusagt, obwohl man nicht weiß, ob man dann überhaupt noch hier wohnt.
In jedem Geschäft dieser kleinen Stadt, in der man mit vier Kindern nun mal einfach gekannt wird und die Kinder Süßigkeiten, Lob, Obst, kleine Geschenke etc. zugesteckt bekommen und man sich leise fragt, wie lange es dauern wird, in der neuen Heimat Fuß zu fassen.
Am Fluss, schlussendlich, dort fühle ich den Aufbruch am schmerzhaftesten.
Die Insel.
Unsere Insel.
Ich bin ehrlich zu mir: es gibt keinen, wirklich keinen einzigen Grund, jemals wieder hierher zurückzukehren. Mein Herz nehme ich mit. Meine Lieben ebenfalls. Die Erinnerungen auch.
Es gibt keinen Grund. Niemanden, den ich in mein Herz gelassen habe, weil ich mich gegen diese Art von Sozialität entschieden habe.
Alles, was wichtig ist, kommt mit.
Und trotzdem ist das hier momentan noch Zuhause. Hier ist soviel passiert. So viel Glück, so viel Leid, Trauer, Geburten, Tod, Leben. Sieben Jahre.
Es ist mein 17. Umzug.
Ich bin unglaublich organisiert, aufgeräumt, kühl, effektiv.
Ich weiß nicht, ob die Tränen kommen werden, die ich als so natürlich empfinden würde bei einem solchen Abschied.
Vielleicht sind sie aber auch nicht nötig, weil es einfach an der Zeit ist, aufzubrechen.
Vielleicht.

synapsenchaos 10.05.2012, 11.17 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Sissi

Da presst man 3 Kinder aus sich heraus und knickt dann bei Menstruationsbeschwerden ein wie ein Mädchen.
Zum Heulen, irgendwie.
Dass ich mir nach dem Vacuum Assisted Closure-Therapy-Anleitungsvideo heute Morgen noch eine 40minütige vaginale Hysterektomie angesehen habe, trägt nicht gerade zur Linderung der Beschwerden bei.
Kopfkino.
Vermutlich ähnlich wie bei Männern, die reflexartig zusammenzucken, wenn beim Fußball einer den Ball in den Schritt bekommt.
Oder so.
Jetzt ein bisschen Schokolade, Cola und Spiel.
(Whine, Wipe und Gesang)

synapsenchaos 09.05.2012, 19.33 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Lektion

Es ist schon einige Monate her, dass ich es bei Gabriela entdeckt habe.
Ich habe es seitdem immer und immer wieder angesehen, weil es tief in mir so viele Aspekte zum Klingen bringt.

synapsenchaos 08.05.2012, 19.35 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Willkommen.

Sie ist mir die liebste Begleiterin meines Lebens.
Seidig dichte, verführerisch weiche tragende Melancholie, die mich in den Himmel hebt und seufzend in die Hölle hinabschauen lässt.
Geborgenheit für die Seele.
Glückselig trauernd.
Gedanken als leises Glucksen eines schweren Herzens.

synapsenchaos 08.05.2012, 16.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

vergangen

Habe es gestern gelesen, durch Zufall nur.
Ich dachte, ich hätte alles gelöscht.
Jedes Wort, jedes Bild.
Und da war er, der Sicherungsordner, der mir einen Strich durch meinen Schlussstrich machte.
Dort war jedes Bild, jedes Wort, jede Emotion, die wir jemals austauschten.
Und ich begann zu lesen.
Zu sehen.
Zu spüren.
Zu verstehen.
Manchmal ist die Wahrheit so einfach.
Beinahe hätte ich gelacht, wenn ich nicht schon geweint hätte.
Erkenntnis auf ganzer Linie.

synapsenchaos 08.05.2012, 13.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Wege

Manchmal ist die Last, die Verantwortung für all diese Leben zu tragen, fast untragbar.
Es ist nicht mal nur das Hier und Jetzt, es ist das Paket, das für die Zukunft geschnürt wird.
Die Erinnerungen, die sie weit über meinen Tod hinaus mit in ihr Leben nehmen werden, die Erfahrungen, die ich ihnen ermöglichen kann, will, darf, auf die sie in etlichen Jahrzehnten zurückblicken werden, die sie mit sich tragen und vielleicht weitergeben werden, die sie vorbereiten, sie bereichern, ihren Weg erleichtern können...
Manchmal möchte ich einfach nur einen Eimer mit Sand für meinen Kopf haben.

synapsenchaos 08.05.2012, 11.12 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Lichtblick

Und in all dem Durcheinander ein ganz wunderbares traditionelles Gymnasium für das Tochterkind gefunden, das ganz selbstverständlich in der fünften Klasse mit Latein anfängt und dann Jahr für Jahr griechisch, französisch, hebräisch, italienisch und chinesisch dazunimmt. Perfekt.

synapsenchaos 07.05.2012, 10.50 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Letzte Schritte

Endspurt zum Anfang eines neuen Lebens.

synapsenchaos 07.05.2012, 10.05 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Irrtum

Vielleicht hatte ich einfach gehofft, es würde an diesem Tag einen Unterschied machen ob ich da bin.
Nicht nur das Grau, wie sonst.

synapsenchaos 02.05.2012, 22.32 | PL | einsortiert in:

Traurigkeit

Wenn ich so lese, was ich lese, scheint es gar nicht so besonders gewesen zu sein, wenn andere Eindrücke diesem Wunder Platz machen müssen.
Einbildung meiner Fantasie.
Einsamkeit auf ganzer Linie.
Alltag. Weiter.

synapsenchaos 02.05.2012, 21.35 | PL | einsortiert in:

Traumwelten

Es kommt mir nicht vor, wie der Beginn einer langen erfüllenden großartigen mystischen Dieseits-Jenseits-Beziehung. Es fühlt sich eher nach einem Abschied an.
Seit ich gestern nachmittag erwachte und völlig gelähmt in mich hineinlauschte, ob er da irgendwo ist, ob etwas in mir klingt, wo ich so lange gesucht, gehofft, gelauscht, geschrieen, beschimpft, gewütet, verzweifelt habe... ist das Gefühl beinahe übermächtig, dass es das nun war.
Mein erster Impuls war, seine Nummernschilder von der Wand zu nehmen. Ich brauche sie jetzt nicht mehr als Erinnerung, war das Gefühl. Heute starre ich ständig das Schloss an, das an der Garage hing, seit ich denken kann. Ich weiß gar nicht, wo es liegt, aber ich sehe es heute ständig.
Das wars?, möchte ich ihn anfahren und ich weiß irgendwie, es wird keine Antwort mehr kommen. Ich habe doch jetzt über drei Jahre gewartet und jeden Tag... und dann soll jetzt alles vorbei sein?
Soll ich nun aufgeben?
Aber, es fühlt sich gar nicht wie aufgeben an. Es fühlt sich ... abgeschlossen an, seit gestern. Gut. Rund.
Aber ... das war es nun?

synapsenchaos 02.05.2012, 12.11 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Entwicklungsschritte

Der Junge, der zwei Tage vor ihm geboren wurde, sitzt teilnahmslos in seiner Autoschale, während der kleine Tuk neugierig hinkrabbelt und versucht, sich am Rand hochzuziehen.
"Ach weißt du, ich lass ihn so lang es geht da drin. Ich hab keine Lust, jetzt schon ständig hinter ihm herzulaufen. Ich bin froh, wenn er sich noch nicht bewegt.Ich hab schließlich noch zwei andere Kinder."
Ich mustere beide Babys.
Der kleine Tuk hat inzwischen den Frühstücksraum des Kindergartens geentert und um ihn herum bildet sich eine Traube von zwei- und dreijährigen Mädchen mit Butterbroten in der Hand, die alle mal streicheln wollen.
Mein Sohn ist in seinem Element. Er strahlt, er patscht, er krabbelt, er versucht, Essen an sich zu reißen. Kleine Mädchen kreischen und johlen verzückt, wenn er nach ihren Glitzerschuhen, Broten, Haaren greitt.
Sieben Monate.
Ich sehe erneut auf das Baby in der Babyschale. Wach ist es. Und es starrt nach oben. Reagiert nicht auf Ansprache, nicht auf Lächeln, nichts. Wie die letzten sieben Monate auch schon nicht. Und wir sehen es mehrmals die Woche.
Manchmal sitzt er auch in so einer Bauchtrage vor dem Bauch seiner Mutter. Beine hängen schlaff nach unten und der schmale Steg zwischen seinen Beinen hält sein ganzes Gewicht. 
"Ist es nicht furchtbar, wenn sie so mobil sind?"
Ich starre sie an. Ich warte seit der Geburt ungeduldig auf jede neue Fähigkeit, die aus diesem hilflosen Würmchen endlich ein sich selbst helfen könnendes, selbstbestimmtes Wesen macht und freue mich jeden Tag darüber, was der kleine Mann für Anstrengungen unternimmt, die Welt zu erobern. Strahlend, lachend, triumphierend.
Ich sehe wieder in die Babyschale, aus der das Baby stumpf herausschaut. Und mir fehlen irgendwie die Worte.
"Ich mag es eigentlich ganz gerne, wenn sie anfangen, sich zu bewegen.", antworte ich vorsichtig und sehe den Flur entlang, in den mein Baby gerade gekrabbelt ist, gefolgt von einer Horde Kleinkinder, die lachend und applaudierend jeden seiner Krabbelschritte würdigen.
"Uah, nein. Das ist sowieso alles schon so ein Stress.", sprach sie.
Griff beherzt nach dem Griff der Babyschale und ihr Baby zeigte tatsächlich eine Reaktion.
Es zuckte zusammen und fing an zu jammern.

"Du bist schon wieder müde.", murmelt sie im Weggehen. "Du gehst gleich wieder ins Bett."

Und ich bekomme das Bild nicht aus dem Kopf, dass da ein Gefängnis gegen ein anderes getauscht wird.

synapsenchaos 02.05.2012, 11.21 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Herzrasen

Es ist das erste Mal.
Ich träumte, ich träume und bewegte mich in einem endlosen Strom Menschen vorwärts. Immer voran in grauer Einheitsmasse, meine Kinder an der Hand, den Mann an meiner Seite mit dem Baby im Tragetuch. Immer weiter, nur nicht auffallen und diejenigen bedauernd ansehen, die versuchten, gegen den Strom zu schwimmen.
Es ist viel Grau hier. Dunkel.
Und niemand spricht es aus, doch der Weg hat als Ende nicht das Licht sondern den Tod.
Da tippt mir jemand auf die Schulter.

Ich erkenne ihn erst nicht.
Er ist zu jung, Ende 50 vielleicht.
Ich war damals 10 Jahre alt, als ich ihn das letzte Mal so sah.
Eine Lederjacke, wie immer.
Dieser Hut, wie immer. Braune Cordhosen, die ich so an ihm liebte. Hellgelbes Hemd.
Und irgendwie steht er im hellen Licht.
Ich starre ihn an und denke nach.
Es rattert langsam.
Als ich erkenne, wer da vor mir steht, öffne ich fassungslos den Mund.

Das kann nicht sein, träume ich. Ich habe doch so lange nicht von dir geträumt, denke ich. Warum nun?
Der Gedanke ist klar, ich weiß, wo ich bin und was das hier ist. Und ich richte meine Gedanken auf ihn.

"Du musst dir etwas Schönes aussuchen und es genießen.", sagt er in seinem polternden Bariton wie früher, wenn er mir Geld zusteckte. Oder wir was Leckeres geklaut haben.

Ich werfe mich in seinen Arm.
Es ist dieses Gefühl. Große kräftige lange Arme. Breiter Brustkorb, eine feste Umarmung die sich anfühlt, als würde er mich gleich mühelos hochheben und nie mehr runterlassen. Kratzige Gesichtshaut.
Und es ist dieser Geruch. Dieser eine.

Ich hebe mein tränenüberströmtes Gesicht kurz und zeige auf das Baby.
Er nickt und lächelt. "Ich habe es gesehen.", sagt er.

Ich weine. Meine Gedanken formulieren ganz klar ein "Ich vermisse dich so."

Und er antwortet: "Ich weiß." Er seufzt.

Ich träume, dass ich plötzlich aufwache. Er ist weg. Das Bild ist weg, das Gefühl ist weg.
Nur der Gedanke ist noch da, wie bescheuert es ist, träumen zu müssen, dass man etwas träumt. Ich schlafe weiter. Traumlos.

Drei Jahre.
Zwölf Tage.
Ohne ihn.

synapsenchaos 01.05.2012, 17.37 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Wandel

Umzug ist ja immer großartig, um auszumisten.
Und ich merke, wie die Dinge, von denen ich geschworen hätte - bei allem, das mir heilig ist - sie niemals, unter keinen wie auch immer gearteten Umständen wegzugeben, plötzlich unwichtig geworden sind.
Ob das Erinnerungsgegenstände sind oder Bücher oder Dekoration im weitesten Sinne - ich merke, an wie wenigen Dingen mein Herz nur noch hängt.
Da sind die Mutterpässe. Die Dinge, die der Mann und ich am Anfang unserer Beziehung tauschten. Die Libelle, die eine. Der kleine Salzteigschutzengel. Meine Fotos. Der Anhänger. Ein Stein.
Ja.
Viel ist es nicht mehr. Ein sehr befreiendes Gefühl.

synapsenchaos 30.04.2012, 13.19 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Pläne gegen die Panik

Allein der Gedanke, hier bald alleine mit vier Kindern zu wohnen und alles dann für meinen Umzug mit ihnen vorzubereiten, lässt mich ab und an in helle Panik verfallen.
Ich versuche, den Alltag aufrechtzuerhalten, die Geburtstage stehen vor der Tür, Partys wollen gefeiert werden, der Abschied aus Kindergarten und Schule sowie eine Klassenfahrt stehen an und schlussendlich irgendwo zwischen all diesen Dingen erfolgt erst der Auszug des Mannes und in einigen Wochen dann unser eigener.
Ich bin im Normalfall zwischen sechs Uhr morgens und sechs Uhr abends alleinerziehend.
Das ist also weniger das Problem.
Ich muss nur die eineinhalb Stunden am Abend abfangen, die eine zweite Bezugsperson anwesend ist und das wird mir ja wohl irgendwie gelingen.
Meine Listen nehmen inzwischen gigantische Ausmaße an, die einzelnen Punkte aufzuschreiben scheint mir das einzige Mittel gegen aufsteigende Panik zu sein.
Und so schreibe ich und schreibe und schreibe... verdrängend, dass ich sie auch noch abarbeiten muss.
Allein.
Aber auch das ist ja irgendwie nichts Neues.
(kleiner Panikanfall beim Schreiben...)
(ich schaff das schon)
Dazwischen noch irgendwo den ganz alltäglichen Wahnsinn, mit vier Kindern ein aufregendes, stimulierendes, glückliches, erfahrungsreiches Leben zu leben.
Haha.
(alleswirdgut)

synapsenchaos 30.04.2012, 10.14 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Schweiß, kalt.

Es ist immer nur dieser eine Moment in Endlosschleife, in dem man erkennt, dass sie gar nicht vorhaben, dich zu töten.
Wenn dir - hilflos angebunden, bewegungsunfähig, blutend, verzweifelt, schon lange nicht mehr weinend, mit aller Konsequenz bewusst wird, dass sie dich nicht erlösen werden, sondern dich am Leben lassen werden um dir diese Dinge antun zu können so lange sie wollen ... wenn der Geist diesen einen klaren Gedanken in eiskaltem Entsetzen als den Letzten zulässt, bevor er die Seele in zwei Hälften spaltet, um am Leben zu bleiben.
Immer und immer wieder...
Wenn die Seele aufhört zu schreien.

synapsenchaos 29.04.2012, 11.03 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Ära, neu

"Mama, sag mal, warum sind Fische so glitschig?", fragt die große Tochter auf der Autofahrt an einer roten Ampel und ich setze zu einer ernsthaften wohldurchdachten kindgerecht fomulierten Antwort an.

"Nein, Mama. Damit sie nicht quietschen, wenn sie um die Ecke schwimmen."

Ich starre sie entgeistert an. Es ist totenstill im Auto.

Dann, plötzlich, ein Prusten. Sich stetig steigerndes Gegacker. Und schließlich brüllendes Gelächter von drei Kindern.

Ich starre immer noch. Fassungslos.

"Mama...du hattest mir doch dieses Witzebuch geschenkt..."

Ich erinnere mich dunkel.

Verlust kindlicher Unschuld zugunsten einer platten Pointe.

Ich geh dann mal weinen.

(Was kann eine Familie nicht unter Wasser machen? - rund um eine brennende Kerze sitzen...)

synapsenchaos 26.04.2012, 16.38 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Ausharren

Ich habe früher ständig (>6 pro Jahr) Mittelohrentzündungen gepaart mit vereiterten Mandeln gehabt und musste das allein und ohne Schmerzmittel aussitzen.
Mehrere Tage und besonders Nächte lang bis mein Körper den Kampf gewonnen hatte.
Mein Jammern, Weinen oder Schreien wollte niemand hören und das wurde auch so kommuniziert.
Ich stand oft als Kind nachts um zwei, drei, vier Uhr in der Küche - jedes Schlucken tat mir weh, jede Bewegung schoss direkt ins Innenohr - und habe mir eine warme Milch auf dem Herd gemacht. Oder einen Kakao.
Allein, leise, immer darauf bedacht, meine Mutter oder meinen Vater nicht zu wecken.
Diese starken Mittelohrentzündungen gehören zu den schlimmsten Schmerzerinnerungen meiner Kindheit, auch heute sind Ohrenschmerzen noch ganz oben auf meiner "fiese-Schmerzen"-Skala.
Und so leide ich doppelt mit, wenn eines der Kinder nun gerade Ohrenschmerzen hat.
Aktuell das Baby, das heute Morgen tatsächlich über eine Stunde aushalten musste, bis das Schmerzmittel komplett wirkte.
Mich zerreißt es dabei fast.
Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben, Schmerz einfach auszuhalten. Auch und vielleicht gerade bei Anderen.
Einem Kind Halt und Trost zu sein, ohne den Schmerz einfach von ihm nehmen zu können. Ausharren, ohne ungeduldig zu werden.
Einfach Ja sagen zur Situation, zum Weinen, zum Schreien, zum Schmerz und mit ihm an der Hand da durch zu gehen, bis es besser wird.
Es wurde, Gott sei Dank.

(beim Schreiben kommen noch die Erinnerungen dazu, wie meine Mutter bei besonders viel Gejammer meinerseits lapidar sagte: na, wenn das SO schlimm ist, dann bringen wir dich zum Arzt und der sticht dir dann mit einer langen Nadel die Trommelfelle durch, dann kannst du eben nicht mehr hören - was ohne weitere Erklärung in meinem Gehirn mehrere Horrorszenarien auslöste, die dazu führten, dass ich unter enormen Schmerzen Besserung simulierte)
(und selbst mit Kindern inzwischen auch recht objektiv sagen kann, was meine Mutter für ein sadistisches Arschloch ist/war)

synapsenchaos 26.04.2012, 11.15 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Tag 3

Disziplin... ist ein Arschloch.
Motivation ist hoch, eine halbe Minute vorher ist meine Lust allerdings auf dem Tiefpunkt.
Training: absolviert
Jeder Muskel ist deutlich zu spüren, nicht nur unter hoher Belastung sondern auch bei alltäglichen Verrichtungen und es fühlt sich so verdammt gut an.
Ich weiß, dass die Zeit für mich arbeitet, wenn ich die Muskeln erst mal in Gang habe.
Training ist zwar Arbeit aber der Rest des Tages ist zurücklehnen und den erhöhten Grundumsatz genießen.
Einfacher geht nicht.
Und 10 von 1440 Minuten am Tag aufzuwenden ist ... machbar.

synapsenchaos 25.04.2012, 13.22 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Tag 2

Meine Deltamuskeln bringen mich um. Aber seit heute Nacht schon.
Schön, wenn man dazu auch noch 10kg Säugling durch die Gegend tragen muss.
Training: durchgehalten überlebt
Es kommt im Moment nicht mal darauf an, das alles perfekt zu machen. Oder elegant. Oder kraftvoll. Oder so oft wie möglich.
Es geht im Moment nur darum, es durchzustehen.
Mein Organismus läuft auf Hochtouren und ich bin extrem dankbar dafür, dass er anscheinend nach wie vor sehr leicht stimuliert werden kann.
Gestern den ersten Tag nach der Geburt ohne Zusatzschlaf überstanden.
Schmerzen hielten sich in Grenzen. Nur der Normalschmerzzustand plus ein wenig Muskelziehen.

synapsenchaos 24.04.2012, 11.32 | (3/2) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Training

Es gibt keinen optimalen Zeitpunkt, um mit etwas anzufangen.
Der beste Zeitpunkt ist immer sofort, der Garant für ewiges Aufschieben ist morgen. Oder Montag. Oder am nächsten Ersten. Oder nachher. Egal.
Also versuche ich mich im Zustand nach Geburt nach Krankheit nach Verletzungen zumindest rudimentär zu bewegen.
Sehr zur Belustigung des Babys, das vor mir sitzt und leise glucksend zu mir aufblickt. Ich kanns ja verstehen, denn ich kann mir in etwa ein Bild dessen machen, was ich da völlig untrainiert versuche...
Meine Latte liegt hoch - es ist das Basisworkout von vor 10 Jahren, trainiert, Zustand vor jeder Schwangerschaft, mit Kampfsportausbildung, Idealgewicht und reichlich Muskeln.
Ich jappse und hechle also und beiße mich da durch, bis ich nach 12 Minuten zusammenbreche und röchelnd auf dem Boden liege.
Das Baby robbt auf mich zu, beißt mich beherzt in die Brust, sieht mich schelmisch an und lacht sich kaputt.
Würd ich auch, wenn ich genug Luft bekommen würde.
Aber - durchgehalten.

synapsenchaos 23.04.2012, 11.56 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Stille

Egal wie tief ich in mich hineinlausche, ganz still, leise, bedacht, achtsam, es antwortet mir einzig Stille.
Lüge?
Bleibt nur das Warum und das war ja ohnehin nie von Relevanz.

synapsenchaos 22.04.2012, 19.38 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

So Dinge, die geschehen.

Mein einsames Highlight des heutigen Tages: nicht wissen, dass sich immer zwei Krankenhauszimmer ein Bad teilen und mit heruntergelassener Hose auf der Toilette plötzlich einem nackten Mann mit viel zu kurzem OP-Hemd gegenüberstehen.
"Oh.", macht er.
"Oh.", mache ich.
Ich grinse schief und sage: "Ich klopfe auf der anderen Seite, wenn wieder frei ist."
"Ist gut.", sagt er.

synapsenchaos 19.04.2012, 19.45 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Müde

Vor Panikanfällen nicht schlafen können, um vier Uhr morgens aufzustehen, vier Kinder und sich selber fertigzumachen, damit um 7 Uhr operiert werden kann und dann bis 9 Uhr warten müssen.
Alles gut.
Jetzt weitergehen.
Langsam.

synapsenchaos 19.04.2012, 14.46 | PL | einsortiert in:

Band

Ich hätte viele Entscheidungen der letzten Jahre anders getroffen, wenn ich niemals ein Wort von Gabriela gelesen hätte.
Ich bin unglaublich dankbar, sie leise begleiten zu dürfen.

Mirjam - es ist schön, dass du geboren wurdest. Dass es dich gibt.

Danke. ♥

synapsenchaos 17.04.2012, 11.14 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Wir wollen EIS!

"Eisdiele!", brüllen die zwei Mittelkinder, als ich sie vom Kindergarten abhole und nach besonderen Wünschen frage.
Es schneit. Es sind gefühlt Minus 5 Grad. Ich ziehe die Augenbrauen hoch und frage, ob es nicht zu kalt dafür sei.
Nein, sei es nicht.
EIS! Es sei Frühling! Frühling! Bald sei Sommer! SOMMER! Und da es ja somit schließlich quasi Sommer sei, könne man jetzt auch ein Eis essen gehen! Unbedingt!

Also stehe ich mit 4 Kindern wenig später in der Eisdiele und gehe dann mit ihnen auf den naheliegenden Platz zum Toben und Spielen.

Kaum angekommen stehen 3 bibbernde schlotternde Kinder vor mir, die mich anflehen, doch bitte wieder nach Hause zu dürfen, das war eine doofe Idee mit dem Eis und überhaupt ist zwar Frühling aber eigentlich ist es ja noch Winter und es sei bitterkalt und sie würden frieren und das Eis mache alles noch viel unerträglicher und ob sie zuhause in die warme Badewanne könnten, sie würden auch Haare waschen, ohne Geschrei und alles oder zumindest den Rest des Tages mit Bettdecken direkt an der Heizung verbringen dürften und überhaupt seien diese Temperaturen auch bestimmt nicht gut für das Baby, das auch schon ganz erfroren aussehen würde und da würde man ja auch Rücksicht nehmen wollen.

Ich habe nicht gegrinst.
Und das hat mir alles abverlangt.

xD

synapsenchaos 16.04.2012, 15.31 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Chaoswoche

5/6 Familie krank, Schulbeginn nach den Ferien. Kindergarten. Erste Zähne. Magen Darm. Grippe. Bronchitis. Herzschmerz. Anästhesiegespräch. Operation. Erholung. Organisation. Fahrradtrainig. Verkehrstraining. Polizei. Freundebesuch. Babysitter. Angst. Geburtstagsplanung. Kuchen. Hoffnung. Zuversicht. Panik. Schnupfen. Warten auf Post.
Die nächsten 7 Tage beginnen.
Jetzt.
Durchatmen.

synapsenchaos 16.04.2012, 10.29 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

10

10 Jahre wird es dieses Jahr her sein, dass mir das erste Kind aus dem Körper geschnitten wurde.
Es ist die unnatürlichste Art der Entbindung und ich weiß, wie viele falsche Entscheidungen damals in Folge getroffen wurden.
Heute - heute weiß ich es.
Und ich lebe seit 10 Jahren mit einer tauben Bauchdecke, Schmerzen und den Erinnerungen daran.
Je öfter ich über das nachdenke, was momentan passiert, desto deutlicher habe ich das Gefühl, dass es Zeit ist, loszulassen.
In dieser Narbe sitzt noch so viel Groll, so viel Leid, Schmerz, Wut, Reue...
Es ist Zeit.

synapsenchaos 14.04.2012, 00.36 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Rassismus

"Ich spiele lieber mit Kindern, die meine eigene Hautfarbe haben.", rotzt sie mir entgegen und ich kann kaum anders, als sie entgeistert anzustarren.
Ich bin heute mit meinen drei sehr hellhäutigen Kindern und einem dunkelhäutigen Kind auf dem Spielplatz.
Ich starre immer noch. Ich überlege, ob ich es ignorieren soll. Ich kann nicht.
"Warum?", frage ich.
Sie denkt kurz nach. "Weil sie so sind wie ich. Ich bin lieber mit jemandem zusammen, der so aussieht wie ich."
Ich bin ratlos. Ich kann sie so gut verstehen. Da ist kein Rassismus in ihrem Blick, keine Diskriminierung, nichts Politisches. Sie ist ein Kind. Natürlich sucht sie jemand Gleichen.
Und doch... Gedanken toben in meinem Kopf. Wie würde ich reagieren, wenn eines meiner Kinder diese Gedanken genau so gegenüber Fremden äußern würden?
Ich sehe gedankenverloren auf die dunkle Haut unseres Besuchskindes.
Zwei Paar Schuhe, merke ich, aber merken es die anderen auch? Oder wären meine Kinder dann die weißen Rassisten?
Sie sieht mich an. Sie erzählt von Y., einer Freundin, die bei ihr wohnt. "Sie ist eine von uns.", sagt sie und zupft an ihrer Haut.
Ich habe mich so sehr auf sie konzentriert, dass ich die Motte kurz aus dem Blick verlor. Sie steht ratlos neben uns und blickt traurig.
"Motte?", frage ich.
Sie sieht unser Besuchskind an. "Ich find es so doof, dass du mich nicht magst, weil ich helle Haut habe. Ich kann doch nichts dafür."
Sie schnieft. Sie hatte heute einen harten Tag und das ist so ziemlich das letzte, das ich ihr für heute gewünscht hätte.
Das Besuchskind zuckt die Schultern: "Dunkle Haut ist eben einfach besser."
Sagt es unbeschwert, nimmt die Motte an die Hand und springt mit ihr davon.
Ich sehe, dass das in ihr arbeitet.
Aber sie wird es fünf Minuten später vergessen haben.
Ich nicht.
Mir hängt es immer noch nach.
Sehr.

synapsenchaos 13.04.2012, 20.18 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Käuflich.

Als wir unsere Kinder für morgen auf deren Wunsch hin verabredeten, war alles noch okay.

Bis sie sich nach dem Abschied noch mal umdrehte und anfing: "Duuuuu, sag mal... ich hab deinen Mann schon mal öfter beim Sozialamt gesehen... so viele Männer von seiner Größe und mit dieser hünenhaften Statur laufen hier ja auch nicht rum... was macht der da?"

Meine Betriebstemperatur stieg deutlich an, während mein Lächeln auf Minusgrade abkühlte.

"Er arbeitet dort."

Und plötzlich wich die Neugierde in ihrem Blick echtem Interesse. Mein Blut kochte hoch. Ich hatte das geahnt. Gerade bei ihr.

"Ahhhhhsoooo...", murmelte sie. "Ist aber gehobener Dienst, oder? Ich hab da auch schon mal versucht, einen Kerl kennenzulernen, aber es arbeiten ja so wenig Männer dort."

Ob dieser unglaublichen Dreistigkeit fehlten mir einfach nur die Worte.
Ich weiß, wie sie ist, ich verstehe sie sogar besser, als sie ahnen würde, aber das ist wirklich bar jeder Form des Anstands.

Ihr momentaner Lebensabschnittsgefährte und von ihr vermuteter Vater einiger ihrer Kinder sitzt fünf Meter von uns entfernt in ihrem Auto. Ist wohl gut für sie, dass er unsere Sprache nicht spricht.

Sie plappert munter weiter - bei mir verkrampfen sich Seele und Herz gerade zu einem riesigen Eisklumpen. Ich höre noch Dinge wie finanziell ausgesorgt, versorgt und dann tatsächlich einen hohen vierstelligen Euro-Betrag, der mit einem Fragezeichen endet.

Ich schlucke einmal trocken und versuche, meine zusammengepressten Lippen auseinander zu bekommen, verabschiede mich ohne eine Antwort auf ihre Frage bis morgen und wende mich ab.

Es gibt ein Wort für so etwas. Prostitution.

synapsenchaos 12.04.2012, 15.13 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Challenge, Baby

Vier Kinder zuhause, zweieinhalb davon krank, dauerbrüllendes Baby mit Zahn, das im Wachzustand nur auf dem Arm sein kann, ich selbst mit Magen-Darm-Grippe mit Niesanfällen und Schließmuskelinkontinenz.
Was uns nicht umbringt...

synapsenchaos 11.04.2012, 11.07 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Leseratte vs. Buchmuffel

Tochterkind liest den dritten Teil von HarryPotter, nachdem sie heute Morgen mit tief blutunterlaufenen Augen ins Schlafzimmer zum GutenMorgen-Sagen kam und Teil zwei gestern wohl auch noch deutlich nach der Schlafenszeit gelesen hat.
Der Kobold turnt um sie rum: "Duhuuuu, spielst du mit U-Boot?"
Nach der fünften Ansprache schüttelt sie endlich kurz den Kopf und antwortet, dass sie lieber lesen möchte.
Grummelig zieht der Sohn von dannen: "Also wenn ICH mal lesen kann, werde ich jedes Buch als Film kaufen."
Na das kann ja lustig werden.

synapsenchaos 10.04.2012, 16.51 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Spaß...

Vielleicht ist das größte Unrecht, das wir unseren Kinder antun können, die Anspruchshaltung, dass ihnen alles Spaß machen muss, was zu ihrer Weiterentwicklung beiträgt.

Sich durchbeißen muss heute niemand mehr.
Man will schließlich kein lustloses oder schlecht gelauntes Kind, keines, dass man zwingen muss im Rahmen dieser neuen weichgespülten Erziehung, die so oft mit einer gleichberechtigten Partnerschaft verwechselt wird.

Unsere Kinder sind nicht unsere besten Freunde.

synapsenchaos 05.04.2012, 09.33 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Ich bereue nichts.

Ich habe niemals danke gesagt, obwohl ich diese alles umfassende Dankbarkeit so oft gefühlt habe, dass es mir fast die Seele zerriss.

Niemand nach dir.

Niemand.

Danke.

synapsenchaos 03.04.2012, 23.08 | PL | einsortiert in:

Eigentlich

Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes machen.
Eigentlich wollte ich wesentlich später losfahren.
Eigentlich...
Als wir ankamen, ging sie gerade. Und es durchzuckte mich abwechselnd heiß und kalt.
Für einen völlig bescheuerten kurzen Moment überlegte ich, ob ich mich wohl verstecken sollte. Lange ist es her.
Ich ging auf sie zu und umarmte sie.
"Wie geht es dir?"
- "Gut", log sie. Und ich hätte mich ohrfeigen können für diese absurde Frage. Wie soll es ihr schon gehen? Ich Idiot.
Lange Sekunden war ich hin und hergerissen zwischen der Möglichkeit, sie einfach gehen zu lassen und ihr ein herzliches Lebwohl zu wünschen oder die Mauer wieder einzureißen.
Einmal mehr. Einmal schmerzhafter.
Der kleine Sohn thronte auf dem Arm und ich fragte mich, wie schmerzhaft es sein muss für sie.
Ausgetragen, als ihre Tochter im Sterben lag.
"Ein Sohn", lächelt sie. Und ich sehe, wie der Mund zuckt.
Ich hatte mich bereits entschieden.
"Bald hast du alle ersten Male erlebt", sage ich leise.
Ein Jahr ist es schon fast her, es ist so unglaublich. Und ich weiß, dass es gestern war für die Frau, die da vor mir steht und um Fassung ringt.
Die Mauer zeigt ihre Risse. Sie fällt, als sie anfängt zu erzählen.
Sie erzählt vom Sterbemoment.
Von dieser einen Sekunde, drei Atemzügen, ihrer Tochter, ihres Mannes und ihr selber, dreisam, einsam, gemeinsam. Ein gutes Lebewohl.
Eines, das man keinem wünschen würde.
Und doch.
Es ist hellichter Tag, die Kinder toben um uns herum, es ist laut, sonnig, voller Leben und doch steht die Zeit still.
Wir sind wieder in dieser Blase, die uns jedesmal umgibt, wenn wir uns treffen. Es ist bemerkenswert, wie sehr sie mein Herz berührt.
Dieses Band...
Ich habe mich selber eingeladen. Ich komme mir immer noch vor wie ein Bulldozer.
Ein ruhiges gemeinsames Frühstück. Bei ihr, weil sie nicht rausgehen kann. Ich bringe Brötchen mit, wenn die Kleinen im Kindergarten sind. Ich schreibe einige Tage vorher eine SMS. Wenn sie nicht kann, soll sie es einfach kurz schreiben.
Alle Rückzugsmöglichkeiten gegeben, aber eben doch irgendwie ein Bulldozer.
Ich konnte nicht anders.
Vielleicht tue ich das Falsche.
Vielleicht.

synapsenchaos 03.04.2012, 23.00 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Sicherheit

Ich spüre das Splittern.
Ich kann es hören, ich kann es fühlen.
Und mir wird klar, dass nun mein eigener Schutz an oberster Stelle steht.

synapsenchaos 02.04.2012, 12.46 | PL | einsortiert in:

Idiotie

Es hat lange Jahre gebraucht, bis ich annehmen konnte, aus tiefem Vertrauen heraus, dass es etwas geben würde, das ich immer geleugnet habe.
Und dann reicht so wenig, mir meine eigene Idiotie vor Augen zu führen.
Wenn die ganze Welt auf einmal Kopf steht.
Ich setz die beschissene rosa Brille dann mal ab.

synapsenchaos 02.04.2012, 11.42 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Pragmatismus

Ja Mensch, aber schon schön zu wissen, dass der Mann auch nach unserer Trennung keine weiteren Kinder mit den Frauen haben wird, die er dann vögelt.

synapsenchaos 01.04.2012, 21.05 | PL | einsortiert in:

Wasserball

Wie man drei sehr aktive Kinder sehr müde bekommt.


synapsenchaos 30.03.2012, 20.45 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Trost

Es gibt keinen Trost.
Wann immer ich Schutz oder Trost benötigte, war sie da.
Meine Mutter.
Aufopfernd ließ sie sich an meiner Seite nieder, flüsterte beruhigende Worte, lächelte, streichelte sanft meinen Arm, meinen Bauch, wenn ich wieder einmal Schmerzen hatte.
Immer wieder war da diese große Schutzkugel aus Wärme und Nähe und Liebe, in die ich mich flüchtete, bis ihre Hand nach einigen Minuten das erste Mal meine Brüste berührte. Daran spielte. Bis sie die Hand zwischen meine Beine schob. Meine Geschlechtsteile anfasste. Meinen Po anfasste. Bis sie sich nahm, was sie wollte.
Und alles wurde zu Eis.
Erdulden - Trost, Nähe - zu dem Preis, den sie jedes Mal dafür verlangte - oder sich wehren. Und die Beschimpfungen und Demütigungen zu ertragen, weil ich so abnormal war. Weil ich sie nicht wollte. Weil ich mich so anstellte.
Trost.
Oft hat sie dabei leise in mein Ohr geflüstert, sanft, liebevoll: "Unter Folter und Qual ruft jeder nach seiner Mutter. Jeder ruft nach Mama. Auch du wirst in solch einer Situation nach Mama rufen. Nach mir."
Ich habe nie geschrieen.
Nicht nach ihr.

synapsenchaos 30.03.2012, 08.32 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Junkie

Ich bin ein Waschmitteljunkie.
Ich liebe es, wenn frischgewaschene Wäsche nach Waschmittel, Weichspüler, Sonne, Wind oder Ähnlichem duftet. Ich kann die Katze bei aller Hassliebe so gut verstehen, wenn sie sich in einen Korb frischgewaschener Wäsche legt, denn das geht mir genauso.
Damals, zuhause, durfte nichts riechen. Und wenn ich nichts sage, dann meine ich auch nichts.
Haarshampoo, Duschgel, Seife, Waschmittel, Deo, Spülmittel, Menschen, Tiere - es durfte nichts riechen. Wenn es roch, dann stank es.
Das hat mein Vater oft und ausgiebig erwähnt.
Für ein 13jähriges Mädchen ist es ungemein schwierig, nach nichts riechen zu dürfen.
Die Wäsche wurde nur abgekocht bzw. mit irgendeiner Chemikalie gewaschen, die nicht roch. Shampoo haben wir alle ein gemeinsames benutzt, das für mich nach einer Mischung aus Schimmel und Muff roch. Körperteile wurden mit Handwaschpaste gewaschen, die diese Sandkörnchen enthält, mit denen man auch Schmieröl abbekommt.
Und in der Pubertät steht man dann trotzdem da und riecht nach - Mensch.
Mein Vater besitzt die gleiche feine Nase, mit der auch ich gestraft bin.
Und so wurde Leben immer mehr zum Spießrutenlauf, je älter ich wurde. Periode, Schweißausbrüche, Zusammensein mit anderen Menschen, die parfümiert, betrunken, bekifft... etc waren - all das wurde mit einem Nasenrümpfen und einer anschließenden verbalen Demütigung honoriert.
Ich war manchmal zu Besuch bei Freunden, deren Duftwelt mich förmlich erschlug. Hier ein Raumspray, dort eine Pflanze, eine Blume mit Blüte gar - Deo, Parfüm, Duschgel, ich schnupperte mich durch die Welt dieser Menschen und war oft völlig fertig von Sinneseindrücken.
Aber meine Liebe gehört nach wie vor dem Waschmittel.
Meine Oma wusch ihre Bettwäsche immer mit einem Waschmittel, das wie der Himmel roch. Kein Weichspüler, luftgetrocknet und dann gemangelt.
Manchmal konnte ich zwischen meiner Oma und meinem Opa liegen, links roch es nach Hattrick, rechts nach Kölnisch Wasser und das alles inmitten dieser immer frischen Bettwäsche.
Das ist Zuhause.
Ein Zuhause muss nach etwas riechen dürfen.

synapsenchaos 22.03.2012, 16.52 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Schicksal

Weißt du Dad, seit ich denken kann, hat man hinter deinem Rücken gesprochen. Über dich. Wie furchtbar du bist.
Du bist ein Tyrann. Ein Soziopath. Ein Irrer. Gewaltätig. Ein Alkoholiker. Erfolgreich. Ein Arschloch.
Und alle haben sie vor dir gebuckelt. Alle.
Niemand hat dir Widerworte gegeben. Ich hab mir oft Schläge und Demütigungen abgeholt, bis ich das begriffen habe. Irgendwann gab auch ich auf.
Wir waren eine eingeschworene Gemeinschaft und du warst der Dinosaurier im Wohnzimmer, den niemand erwähnen durfte.
Ich hab dich geliebt. Abgöttisch.
Ich habe dich gehasst. Einmal durch die Hölle und zurück.
Heute... bleibt die Sehnsucht.
Und was ich nie werden wollte, bin ich heute.
Ich bin wie du.
Und nun muss mir gelingen, was dir nicht gelungen ist.

synapsenchaos 21.03.2012, 11.09 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Reue

Vielleicht habe ich zu spät erkannt, dass ich vielleicht sein Ein aber niemals sein Alles würde sein können.

synapsenchaos 21.03.2012, 08.50 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Nachdenklich

Niemand, der böse ist, ist im Herzen wirklich glücklich, heißt es bei Jim Knopf.
Und auch der böse Drache zeigt am Ende nur Dankbarkeit darüber, endlich befreit worden zu sein.
"Jeder böse Drache träumt heimlich davon, besiegt zu werden. Nicht getötet, nur besiegt. Das macht es ihm möglich, sich vom Bösen loszusagen, in einen tiefen Schlaf zu fallen und nach dem Aufwachen ein Jahr später zu einem weisen Drachen zu werden."

Allein bleibt er trotzdem.

Vielleicht gibt es für einige Wesen einfach keine Gefährten.

synapsenchaos 21.03.2012, 08.35 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

schwärend

Wenn ich einen Blogpost viermal lösche und wieder neu anfange, dann ist das Gefühl, einen Schlüssel in der Hand zu halten, fast übermächtig.
Ich weiß auch, welche Tür er aufschließen wird, allein ich bin mir nicht sicher, ob ich dahinter sehen kann.
So wund.

synapsenchaos 19.03.2012, 11.47 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Betrachtungsweisen

Für manch einen wäre das sicherlich ein Traum von Familienleben, aber fünf Leute um kurz nach 6 Uhr um mich herum im Schlafzimmer, die sich liebevoll einen guten Morgen wünschen, sich herzen und drücken und knuddeln und sich um das Baby kümmern und gut gelaunt summen und singen... bei mir macht es da unweigerlich *tilt* im Gehirn.
Ich komme direkt aus den Untiefen meiner Traumebene, weiß oft nicht, in welchem Zeitrahmen ich mich befinde und wie dissoziiert ich gerade bin.
Bis ich alles soweit sortiert habe, dass ich auch nur annähernd einen Zustand erreiche, in dem ich das alles geistig abfangen kann, dauert es.
Es ist immer verdammt harte Arbeit.
Und bis auf die Tatsache, dass ich reichlich Zucker und Koffein am Morgen brauche, kann ich das aushalten.
Das ist vielleicht das Schönste daran und etwas, von dem ich nicht zu träumen gewagt hätte, dass ich es erleben würde.
Ohne Gewalt, ohne Wut die Anwesenheit anderer Menschen direkt nach dem Schlaf aushalten können.
Mit einem Ja.

synapsenchaos 16.03.2012, 08.31 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Atmen

Gibt so Morgende, an denen das innere Kind völlig aufgelöst nach einer Nacht voller Flashbacks herumflattert und nur noch schreit, dass es seine Mutter anrufen möchte - fragen, ob sie es noch lieb hat.
Schwer, aber inzwischen machbar, ruhig zu antworten, dass das nie der Fall war und auch nie sein wird.
Und dass das schon okay so ist.

synapsenchaos 15.03.2012, 09.44 | PL | einsortiert in:

Sechs Leben

DIe Tage ziehen so dahin, ins Jahr.
Fünf Monate sind es seid seiner Geburt, fünf Monate Inkontinenz, fünf Monate Schmerzen, fünf Monate Depression, fünf Monate Hoffnung, leise.
Muss irgendwann besser werden, der Körper trägt Spuren davon.
Die Seele auch.
Möchte die ganze Welt umarmen und dann wieder in die Luft bomben, weil es keinen Grund zur Hoffnung gibt.
Keine Gerechtigkeit.
Keine Liebe.
Rückschläge werfen uns aus der Bahn, wir schlingern so dahin, ohne Kurs.
Und manchmal erschlägt es mich, dass ich nach wie vor der Kapitän sein soll.
Herr über dieses Schiff, der, der bis zuletzt stehen bleibt, auch wenn es sinkt.
Und dann ist da wieder jeden Tag so viel Glück. So viel Liebe.
Dieses Lächeln, dieses eine, zahnlose, das mich mit der Welt versöhnt, komme was da wolle.
Hilflosigkeit, die Zeit nicht einfach anhalten zu können, im Moment zu verharren und ihn bis in alle Ewigkeit zu konservieren, auch wenn das Stillstand bedeutete.
Vielleicht geht es zu schnell. Vielleicht zu langsam.
Irgendwo, auf halber Strecke muss ich mich selbst verloren haben.
Leider hat mich niemand aufgesammelt.

synapsenchaos 13.03.2012, 13.11 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Lieber Postbote,

wenn ich gerade ein Baby in der Badewanne habe, dann kann ich auch nicht zur Tür kommen, wenn du 17 Mal klingelst. Auch nicht, wenn du den Finger auf dem Klingelknopf lässt und es dauerklingelt. Wirklich nicht. Wenn du dann anfängst, mit der Faust gegen die Tür zu schlagen, klappt das immer noch nicht.
Dein einziges Glück war, dass ich mit nassem glitschigen Baby auf dem Arm nicht genug Wut  generiere, um dir ganz unkompliziert mal eben den Arsch aufzureißen.
Aber morgen... morgen sehen wir uns bestimmt wieder.
Und glaub mir, ich bin sehr nachtragend.
Bis dahin.

synapsenchaos 13.03.2012, 11.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Verkehrserziehung

Wie jedes Jahr kommt dieser Tage der Verkehrspolizist in den Kindergarten. Mehrfach. Mit Übungen, mehrere Stunden, mehrere Nachmittage. Kostenlos.
Ich würde unfassbar viel Geld dafür bezahlen, wenn dieser Kurs auch für die autofahrenden Mütter verpflichtend wäre, die es schaffen, jeden Morgen und jeden Mittag mit einem winzigen Kleinwagen drei Parkplätze zu blockieren.
Mit Sonderteilen:
"Rückwärts fahren ist keine Teufelei."
"Einparken leicht gemacht."
"Auch wenn ich ihn nicht sehe, kann da trotzdem ein Zaun sein."
"Mit einem Smart braucht man nur einen Parkplatz. Ja, auch wenn man 200kg wiegt und Platz zum Aussteigen braucht. Auch dann."
"Wenden in weniger als 8 Zügen."
"Kein Auto ist mehr als 4m breit. Auch deins nicht. Ja, du passt durch diese Lücke."

synapsenchaos 12.03.2012, 15.39 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Es ist ein Montag.

Entzückend, wenn eine Woche damit endet, dass die neue Nachbarin einen im Flur abfängt und mitteilt, dass sie nun undurchsichtige Plastikfolien an die Fenster vorne geklebt hat, damit man ihr vom Berg gegenüber nicht immer auf ihren nackten 150kg-Wellfleisch-Körper kucken kann und während der Erzählung kichert wie ein pubertierendes Schulmädchen, und dann die neue Woche damit beginnt, dass eben diese Nachbarin mir heute Morgen um 7 Uhr in ein hautenges Corsagenteil gezwängt, alkoholisiert und äußerst gut gelaunt in die Tür fällt, aus der ich gerade 4 Kinder in den Alltag schicke.
Hihichichichichichi... macht sie angeschickert, versucht, die Kinder zu tätscheln, die geistesgegenwärtig zur Seite hüpfen und ich stütze sie ab, damit sie nicht in die offene Kellertür fällt. Greife dabei in 10 kg nacktes und wabbeliges Oberarmfleisch und Achselhaare. Ich bin schwer begeistert.
Jung und arbeitslos müsste man sein...
Als ich eine Stunde später zurückkomme, höre ich dankenswerterweise nur lautes Schnarchen und den Fernseher und nicht wie sonst laute Musik und Pornogeräusche.
Ich glaube, das alte Ehepaar von ganz unten hatte sich das mit der neuen Nachbarin auch anders vorgestellt...

synapsenchaos 12.03.2012, 08.22 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Blindheit

Er ist 16 und er bringt seinen zweieinhalbjährigen Bruder jeden Morgen um halb 8 Uhr in den Kindergarten, geht dann selber zur Schule und holt ihn mittags um 14 Uhr wieder ab.
Meinen Respekt hat er schon lange.
Heute kam grenzenlose Bewunderung hinzu, als mir klar wurde, dass man seinen großen Bruder nicht Papa nennt.

synapsenchaos 09.03.2012, 09.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Besuch aus dem Morgenland

F. weint, Mamimausi.

Nein, sie singt.

Nein, Mamimausi, hör doch mal. Sie weint! Du musst da hin gehen!

Nein, Kobold. Sie singt. Das hört sich eben nur sehr ... speziell an.

Du meinst, als wenn jemand ihr dabei auf den Kopf haut?

Hmhmm. So ähnlich.

synapsenchaos 07.03.2012, 16.11 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Ekel

Heute wird mir ganz besonders schlecht, wenn ich an die Zeit mit dir denke.

synapsenchaos 07.03.2012, 08.54 | PL | einsortiert in:

Wechselschritt

Ich weiß nicht, warum die Erinnerungen momentan so stark sind. Weiß nicht, woher ich so gestresst bin, dass die Haut wieder Blasen schlägt und ich nachts in Alpträumen zu versinken drohe.
Die katastrophal verlaufene Operation des Mannes im Januar mag Auslöser gewesen sein, aber ich dachte, ich würde konstruktiv aufarbeiten. Nicht wegsehen, nicht vergleichen, hinsehen, annehmen.
Es gelingt mir, doch mein Körper und meine Verfassung sprechen eine andere Sprache.
Kann den Mann nicht mehr annehmen, kann mich nicht mehr annehmen. Hadere mit meiner Vergangenheit.
Erlebe in Sequenzen abwechselnd Missbrauch, Folter, Unfälle und normale Demütigungen/Misshandlungen und bin so hilflos wie ich es immer gehasst habe.
Kein Wächter da, der mich wegblenden könnte, alles ungefiltert beim Essenmachen mit vier Kindern am Tisch, die lachen und albern, während die Erinnerung mich schlagartig ins Dunkel reißt.
Will duschen gehen, mir die Haut vom Körper scheuern, weil überall ihre Finger zu spüren sind. Will aus der Haut fahren, mich verstecken, endlich den Tränen freien Lauf lassen, die nun schon so lange Jahre ungeweint sind.
Ich will mir nichts vormachen und es nicht dramatisieren. Es wird besser im Laufe der Jahrzehnte. Es wird erträglicher. Es rückt weiter weg, auch wenn das Gefühl im Moment der Gedankengefangennahme etwas anderes sagt.
Es ist doch schon so viel besser geworden.
Ich habe mich für dieses Leben mit einem Ja entschieden. Nicht immer laut und deutlich, nicht immer uneingeschränkt, aber schlussendlich bleibt es ein Ja.

Ja. Ich will.

synapsenchaos 02.03.2012, 11.36 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Schneckentod

Habe die tote Schnecke des kleinen Kindes ausgekocht, damit es wenigstens das Haus als Andenken behalten kann.
Hätte ich vorher gewusst, wie bestialisch das stinken würde, hätte ich es nicht getan.

synapsenchaos 24.02.2012, 11.54 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Betrachtungsweisen

"Du findest dein Baby am tollsten und ich finde mein Baby am tollsten. Das ist okay. Das, was man liebt, findet man immer am Schönsten."

Der Kobold zu seinem Kindergartenkollegen, der wie immer einen Wettbewerb daraus machen wollte, wer nun das hübschere kleiner-Bruder-Baby bekommen hat.
Hat sich umgedreht, ist mit seinem besten Freund spielen gegangen und hat den Jungen recht sprachlos in seinen destruktiven Gefühlen allein gelassen.

Bin stolz auf ihn. Sehr sehr.

synapsenchaos 24.02.2012, 11.30 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Auf gute Nachbarschaft

Es wird Zeit, dass der Umzug weitergeht. Unsere neue Nachbarin unten ist nicht nur sehr gesprächig, so dass ich von ihrer zerrütteten Ehe über ihr Rückenleiden und ihre Menstruationsprobleme bis hin zum Stuhlgang ihrer Katzen genauestens über alle Unannehmlichkeiten informiert bin, nein, sie ist auch noch äußerst ... umtriebig.
Und so kommt einem beim Betreten des Treppenhauses erst einmal eine Wand Rauch entgegen, die ihr zahlreicher Besuch beim Stehen im Treppenhaus hinterlässt, vor der Tür auf zwei Quadratmeter Flur drängeln sich zwei Kinderwagen von Besuchern, so dass ich tatsächlich mit Baby auf dem Arm einen davon erst in die Kellertür schieben muss, um vorbeizukommen, es kommen täglich ungefähr 3 Pakete an, die allesamt mit verschiedenen Unternehmen geliefert werden und natürlich klingelt der nette Postbote hier bei mir, wenn unten aufgrund der lauten Musik niemand aufmachen kann. Ich bin da ja verständnisvoll. Beim Abgeben der Pakete riecht es aus der Wohnung nach einer Mischung aus Rauch, Schweiß, Sex und Katzenkacke und es dröhnt der Fernseher in den Flur - den erregten Stimmen nach zu urteilen immer irgendwas zwischen TalkShow und Frauentausch.
Ich weiß, dass ihr Hauptliebhaber älter ist als ihre Mutter, was aber auch nicht schwer ist, weil ihre Mutter nur 15 Jahre älter ist als sie - dass sie ihren Mann in flagranti mit ihrer besten Freundin erwischt hat und dass sie Katzen sammelt wie andere Menschen Briefmarken.
Und so bleibt mir nur, eine weitere Umzugskiste zu packen, die Pakete abzugeben und den Kobold jedesmal verständnisvoll anzusehen, wenn wir an ihr vorbeigehen und er mir dann auf der Treppe nach oben ins Ohr flüstert:
"Unmöglich sagt man nicht über Leute, oder Mami?"
Bald haben wirs geschafft.

synapsenchaos 24.02.2012, 11.11 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Begegnung im Regen

Seltsam, heute Morgen.
Beim Spaziergang kommt mir diese Nachbarin entgegen.
Sie sieht immer ein wenig so aus, als wäre sie auf der Flucht vor ihren eigenen Dämonen. Altes Gesicht auf noch gar nicht so altem Körper.
Verlebt, faltig, ängstlich, kaputt.
Vielleicht zu viel Alkohol, vielleicht Schläge, wer weiß schon, was sie in ihrem Rucksack mit sich trägt.
Vor dem Bauch trägt sie ein zitterndes Bündel Hund, ich grüße, bleibe stehen und lächle freundlich.
Wir stehen da, Auge in Auge, ich ein Baby im Tuch vor dem Bauch, sie diesen ängstlich zitternden Hund, der ihr so ähnlich sieht.
"Sie haben ja noch ein Baby bekommen...", lächelt sie zaghaft und blinzelt verlegen.
"Ja.", sage ich.
Der kleine Tuk wirft nur einen kurzen Blick auf mein Gegenüber und knipst plötzlich alle Lichter an. Er, der so schnell fremdelt und ein Schnütchen zieht, strahlt plötzlich bis über beide Ohren.
Ich kenne das von meinen Kindern im Babyalter und kann akzeptieren, dass sie andere Dinge in meinen Mitmenschen sehen können als ich, die ich durch so viel mehr Lebenserfahrung immer mit Wertung und Blindheit geschlagen bin.
"Warum lacht er mich denn so an?", fragt sie fassungslos in das breit lachende Gesicht meines Sohnes.
Ich sage: "Manche Menschen mag er einfach, wenn er sie sieht. Und dann strahlt er eben."
Es geht ein ungläubiger Ausdruck über ihr Gesicht und ich spüre förmlich, wie sie sich in sich zurückzieht, kriecht, dorthin, wo sie meint, sein zu müssen, wenn etwas unerwartetes geschieht.
"Oh.", macht sie und geht hektisch weiter.
"Haben Sie einen schönen Tag!", rufe ich noch hinterher.
Ich glaube, sie hat es nicht mehr gehört.

synapsenchaos 23.02.2012, 09.57 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Erschöpfung

Vielleicht ist es das, woran unsere Gesellschaft am meisten krankt:

Dass es einem erst schlecht gehen muss, damit man sich um ihn kümmert.
Dass man das Gefühl hat, krank sein zu müssen, um diese Aufmerksamkeit einfordern zu dürfen, sich überhaupt erst zu wagen...

Wie einfach wäre es - und wie vermessen kommt es uns vor - zu sagen:

Ich fühle mich ungeliebt. Ich möchte getragen werden. Umsorgt. Möchte nein sagen und trotzdem geliebt sein...

synapsenchaos 22.02.2012, 15.24 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Zuviel des Guten

Mamiblogs sind sicherlich von unschätzbarem Vorteil für die Psychologen und Psychotherapeuten in 20 Jahren, wenn ein kurzer Link auf Mamis gesammelte Ergüsse vom ersten Pups über Nacktfotos bis hin zu wohlmeinend lustigen Anekdötchen über den Patienten reicht, um sich darüber ein Bild zu machen, was in der Vergangenheit in oft jahrelanger mühsamer Kleinarbeit mit Patient und Familie zusammengesucht werden musste.

synapsenchaos 21.02.2012, 13.07 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Krieg der Gedanken

Ich bekomme weder die Bilder noch die Gedanken aus dem Kopf.
Endlosschleife aus Emotionen.
Habe das Gefühl, den Mann nicht mehr richtig ansehen zu können, weil alles überlagert wird von diesem einen Tag, dieser Stunde...
Unser Leben, seins, meins, unseres, unsere Beziehung ist seitdem nicht mehr wie sie war. Und das betretene Neuland liegt im Nebel.
So hilflos.

synapsenchaos 21.02.2012, 08.13 | PL | einsortiert in:

Viereinhalb

Viereinhalb Monate Tuk, das ist: Im Bett zu liegen, sich den Schnuller selber in den Mund zu stecken, den Kuschelhund fest in eine Hand zu nehmen und dann mit viel Schwung in einer gewagten Todesrolle deluxe vom Babybett die 10 cm Höhenunterschied zum Ehebett drehend zu überwinden, aufgrund des Schwungs noch nachrollen, um dann wenige Sekunden später laut gackernd mitten auf dem Ehebett zu liegen, weil das Ganze doch für ziemlich viel Adrenalin im Gehirn sorgt.
Dann den Schnuller aus dem Mund ziehen, laut und empört meckernd mit Schnuller und Hund jemanden heranfuchteln, damit man wieder ins Bett gelegt wird um zur Wiederholung Nr. 293 ansetzen zu können...

synapsenchaos 20.02.2012, 17.12 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Emotionale Erpressung

Durch das Aufzeigen einer temporären Grenze bei mir mit nur einer einzigen Schulterbewegung vom mündigen Menschen zum bemitleidenswerten Opfer zu werden ist so erschreckend wie bemerkenswert.
Und ich kenne dieses Prinzip von Grenzüberschreitungen dermaßen gut, dass es mir die Galle hochwürgt, wenn ich daran denke, dass dies ein geeignetes Kommunikationsmittel sein soll.
Nicht für mich.
Nicht mit mir.
Nie wieder.

synapsenchaos 17.02.2012, 10.19 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Elementares

Darf ein Fels in der Brandung wanken? Was, wenn man ihn wanken gesehen hat? Ist er dann nach wie vor ein Fels, sobald er seinen Halt wiedergefunden hat?
Oder ist das Gefühl, sich in jeder Situation daran festklammern zu können, ein für alle Mal verloren?
Schwebend zwischen den Dingen...

synapsenchaos 16.02.2012, 11.10 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Ratlos

Wütend.
Aber vor allem ratlos.

synapsenchaos 16.02.2012, 08.17 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Beinahe...

Beinahe etwas ganz ganz Böses gesagt.
Beinahe nicht rechtzeitig meine Selbstbeherrschung zurückgewonnen.
Beinahe weich geworden.
Beinahe zu wütend geworden.
Beinahe aus der Haut gefahren.

Geschafft, abzuwarten.
Es brodelt, es wütet, es tobt in mir.
Ich werde nicht den selben Fehler machen wie meine Eltern.
Ich werde nicht das Gegenteil dessen tun, was meine Eltern gemacht haben.

Ich kann will und werde meinen eigenen Weg finden, damit umzugehen.

Und sie ist alt genug, auch man einen Moment alleine dazustehen.

Wer Mist macht, darf auch einen Moment darin sitzen bleiben.

Wütend, enttäuscht, traurig... bleibt die Frage, was sie davon sehen darf.

synapsenchaos 15.02.2012, 14.51 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Sinnlich

Es ist diese Stelle, diese eine ... hinten im Nacken, an der er, wenn er gerade aufgewacht ist, nach einer Mischung aus Poffertjes und frischer Zuckerwatte riecht...

synapsenchaos 15.02.2012, 12.23 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Moah.

Das fußkranke Kind darf Arche Noah als Musical kucken.
Männlein und Weiblein finden sich jeweils, indem sie fetzige romantische Balladen füreinander trällern. Noah singt nicht.
Gott ist ein Stern, der pulsiert, wenn er spricht.
Die, die ertrinken müssen, singen auch nicht.
Ist vielleicht auch besser.
Noahs Frau ist eine ziemliche Ziege.
Ich kenne den Schluss noch nicht, aber ich denke, er wird sie nicht mitnehmen.
Jetzt verhaut sie ihn gerade mit dem Besen, weil er mit Gott spricht...
(ich würd sie dalassen...)

synapsenchaos 10.02.2012, 12.03 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Verwundet

Traue mich kaum zu schreiben, weil es eine Grenze, eine andere, eine fremde, verletzen könnte. Mache die ersten zaghaften Schritte nach vorne und hoffe inständig, dass wir den Weg weitergehen können.
Vielleicht sind es gar nicht die großen gewaltigen Dinge und Geschehnisse, die eine Beziehung für immer verändern, die Rollen tauschen, in denen man sich jahrelang so wunderbar eingefunden hat... vielleicht braucht es bloß eine Stunde, eine Welt auf den Kopf zu stellen und sie neu betreten zu müssen, wie man sie zuvor noch nie betreten hat.
Falsche Entscheidungen sind nicht rückgängig zu machen, man muss mit ihnen leben oder sterben. Solange der Tod keine Wahlmöglichkeit darstellt, muss man sich arrangieren.
Schuldgefühle, auf ganzer Linie. Hätte ich doch nur, wäre ich doch nur früher dort gewesen, wäre ich nur dageblieben...
Kenne meine Rolle nicht mehr, meine Aufgabe und merke doch, wie nach nun fast zwei Wochen die Aufmerksamkeit langsam nachlässt und die Müdigkeit kommt.
Vertauschte Rollen, so kommt es mir vor und ich fühle mich so falsch aber nicht unwohl.
Die Achtsamkeit fordert meine ganze Konzentration und ich frage mich, wie tief die Wunde ist. Wie stark die Verletzung.
Ob sie die Seele erreicht hat.
Traue mich nicht, in die Vergangenheit zu blicken, weil ich werten würde.
Auch noch auf der Flucht vor mir selber.
Und gleichzeitig Fels in der Brandung.
Hilflos.

synapsenchaos 09.02.2012, 16.06 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Selten...

...habe ich mich über Blut so gefreut.
Der Alptraum hat endlich ein Ende.

Und ich habe in aller nur denkbaren Deutlichkeit erfahren, dass, obwohl ich dieses Kind ausgetragen hätte und es genauso willkommen und geliebt wäre wie alle anderen Kinder, wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

Erleichterung, auf ganzer Ebene.

Dafür ein, zwei neue Baustellen, die nun aber in etwas hellerem Licht.

synapsenchaos 02.02.2012, 07.34 | (4/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Destruktiv

Sinnlos, darüber nachzudenken.
Gedanken, mit denen man sich gleich doppelt schuldig macht.

synapsenchaos 01.02.2012, 09.31 | PL | einsortiert in:

Allein.

Wütend.
Einsam.
Gleichgültig.

synapsenchaos 31.01.2012, 15.23 | PL | einsortiert in:

Warten.
Gedankenkarussell.

synapsenchaos 30.01.2012, 09.40 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Demut

Es erscheint mir mit meiner Vergangenheit so vermessen - so unglaublich undankbar - um das zu bitten, was ich mir wünsche.
Warten, einmal mehr. Auf? Ja, worauf eigentlich?
Kann eine Welt zusammenbrechen, wenn man ein Geschenk erhält?
Muss man für jedes Geschenk dankbar sein?
Darf man für ein Geschenk undankbar sein, wenn es doch immer gewollt und geliebt aber in diesem Fall nun einmal nicht freiwillig gewählt worden wäre?
Ich tue mich schwer damit.
Ich gehe jedem Gedankenspiel aus dem Weg, weil es mich innerlich auffrisst, zerreißt bald, diese Ungewissheit.
Seit Tagen stehe ich neben mir, zähle Stunden, achte auf kleine Anzeichen und versuche dabei, nicht verrückt zu werden.
Ich kann das nicht.
Ich will das nicht.
Angst. Nackte Angst.

synapsenchaos 26.01.2012, 16.37 | (6/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Ewig

Keine Angst, ich werde dich niemals vergessen.
Du wirst mir immer als abschreckendes Beispiel in Erinnerung bleiben.

synapsenchaos 25.01.2012, 13.04 | PL | einsortiert in:

Geschwisterliebe

"Aber wenn er wach ist, pass ich auf ihn auf!"
"Nein, ich!"
"Nein!!! Ihr seid alle blöd! Ich bin sein einziger Bruder, ICH pass auf ihn auf!"
"NEIN!"
(weinerliches Kreischen bei 2/3 Kindern)

"Niemand wird hier gleich auf ihn aufpassen, weil ich ihn nämlich fressen werde, weil er so süß ist!"

Empörtes Kreischen bei 3/3 Kindern, inzwischen ist das Baby wieder wach und lacht selig.

"Kommt, wir passen alle zusammen auf ihn auf, damit Mami ihn nicht einfach wegschmaust!"
"Genau!"
"Gute Idee! So machen wir es!"

Ich lieb sie einfach. ♥

synapsenchaos 24.01.2012, 14.18 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Narzissa

Hast du es mal wieder geschafft, hm?
Ich sehe dich vor mir, wie du tagelang auf deinen Moment gewartet hast, deine Federn putzend, dich im Spiegel bewundernd, nach den richtigen Worten suchend, die dich im Licht des Scheinwerfers so heldenhaft, wunderbar, zart, stark, perfekt scheinen lassen würden, dass man fast vergessen könnte, dass es sich hier nur ein weiteres Mal nicht um dich handelt.
Manchen ist es wohl selbst im Angesicht des Todes nicht vergönnt, zur Vernunft zu kommen.

synapsenchaos 16.01.2012, 16.41 | PL | einsortiert in:

Wut

Bei allem nötigen Respekt für meine selbstgewählte Erziehungsgrundlage, Probleme ohne Gewalt zu lösen - manchmal wünschte ich, meine Kinder würden einfach hingehen und diesen unsozialen Ablegern anderer Menschen einfach mal eins aufs Maul geben...
Kampf gegen die Muster meiner Kindheit.

synapsenchaos 16.01.2012, 08.47 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

In ein neues Leben

Wir haben sechs Jahre hier verbracht. Es werden fast sieben sein, wenn wir weggehen.
Wir haben hier alle unsere Kinder zur Welt gebracht oder beerdigt.
Es ist an der Zeit, weiterzuziehen.
Ein Haus.
Mit Garten.
Ein Elternhaus für unsere Kinder, in das sie in 30 Jahren gerne für einen Besuch voller Erinnerungen zurückkehren werden.
Wir nehmen einfach alles, das Erinnerungen birgt, mit.
Den Rest lassen wir hier.
Aufgeregt.
Sehr.

synapsenchaos 05.01.2012, 16.06 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Masern, vielleicht auch was Anderes

Ich lieb sie.
Diese Eltern mit dem Kind, das nicht geimpft ist.
Ist ja alles so natürlich, Krankheiten durchzumachen und an ihnen zu sterben.
Mensch. Wie in der Steinzeit. Da wurde auch nicht geimpft.
Das haben die auch alle überlebt.
Hat der Weltbevölkerung im Großen und Ganzen ja auch nicht geschadet.
Im Gegenteil.
So natürliche Dezimierung hat ja schon was.
Als Mutter vierer Kinder mit Herzfehlern und als leidvolle Mitführerin von Endokarditis-Prophylaxe-Ausweisen hab ich sie gefressen, die "alles so natürlich"-Fraktion.
Das Kind, das mir letztes Jahr mehrere Bluttests beschert hat, ob ich Ringelröteln und Co hatte, während ich schwanger war und die Eltern im Kindergarten vage Aussagen wie: "Ach, das ist doch ganz natürlich, dass die das durchmachen. Impfungen helfen auch nicht gegen alles. Und zum Arzt, damit der draufschaut, was es nun ist? Ach Unsinn. Das kuriert der nun aus und dann kommt er wieder, wenn wir denken, er hat nix mehr." machten,  hat nun Masern.
Masern.
Oder Röteln.
Oder ... Scharlach?
Windpocken eher nicht.
Vielleicht aber auch was ganz Anders.
Ausschlag halt. Und Husten.
Keuchhusten vielleicht.
Aber eher Masern.
Die Eltern weigern sich leider auch, sich mit Krankheitsbildern zu beschäftigen.
Weil ... ist ja alles so natürlich. Mensch.
Dabei wäre es mir im Grunde völlig egal, woran das Kind leidet, wenn die Eltern damit nicht automatisch eine Entscheidung für mich mitgetroffen hätten.
Die Eltern haben es entschieden, das ist nicht meine Baustelle.
Ich werd im Ernstfall nicht damit leben müssen.
Und bei Krankheiten, die nur einen einzigen Menschen betreffen, interessiert es mich erst recht nicht, wenngleich man Impfgegnern mit Kind unter anderem mal diesen Artikel um die Ohren hauen sollte.
Laut vorlesen.
Verstehen, was dort steht.
Und DANN noch mal versuchen, ein wirklich griffiges Argument gegen eine Tetanusimpfung zu finden, ohne dass ich laut loslache.
Ich versteh es einfach nicht.

Aber eine Entscheidung gegen die Impfung von ansteckenden Krankheiten verstehe ich noch mal weniger.
Ich weiß nicht, mit wem meine Kinder in Kontakt kommen.
Sie singen in Altenheimen, gehen auf Feste, sie haben chronisch kranke Freunde mit extrem schwachem Immunsystem, haben Kontakt mit Babys anderer Menschen, die noch nicht geimpft sind... die Liste ist endlos.
Der Egoismus mancher Menschen auch.

Jetzt hoffen, mal wieder.
Hoffen gegen den Narzissmus anderer Leute.

synapsenchaos 04.01.2012, 15.58 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Erste Male

Dieses Jahr wird seit sieben Jahren das erste sein, in dem ich nicht schwanger bin.
Es lächelt in mir, wenn ich daran denke.
Unser Entschluss steht fest und er fühlt sich gut an. So richtig.
Jetzt weitergehen.

synapsenchaos 04.01.2012, 11.00 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Zwischen den Jahren

Ich hab das ewige Gejammer so satt. Ich hab die Schmerzen so satt. Das Leben im Allgemeinen. Meinen Zustand.
Ich funktioniere gut, aber am Limit. Immer noch. Viel ist besser geworden, einiges schlimmer, das Meiste gleich. Und das zermürbt mich.
Über viele Tage rettet mich Essen und Trinken. Mit viel Zucker. Das wärmt, tröstet, hilft. Danach geht es dann wieder für einige Stunden, ohne dass ich zusammenklappe. Das war schon immer so und es funktioniert auch jetzt hervorragend.
Der große Nachteil davon ist, dass mir die Gelenke weh tun. Immer, ständig. Und zu den ganzen anderen Schmerzen dazugerechnet macht es die Situation noch schlimmer. Und damit wären wir wieder am Anfang.
Ich vertrage Zucker nicht gut. Nicht in kleinen Mengen, weil ich dann mehr will und nicht in großen Mengen, weil ich dann Schmerzen habe.
Also bleibt nur eine mögliche Konsequenz.
Und die ziehe ich hiermit.
Die Entzugserscheinungen sollten bis Sonntag durch sein.
Neues Jahr.
Alles auf Anfang.

synapsenchaos 27.12.2011, 10.16 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Blitz

Und manchmal erkennt man mit erschreckender Klarheit ganz plötzlich wie aus heiterem Himmel, was oder wen man eigentlich nicht mehr in seinem Leben haben will. 

synapsenchaos 19.12.2011, 14.46 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Loslassen

Immer war sie da, die Sehnsucht. Immer kreisten sie, die Gedanken.
Und so erlebe ich nach über einem Jahrzehnt das erste Mal das Gefühl, dass die Zeit des Kindergebärens nun vorbei ist. Und es ist ein gutes Gefühl.
Der kleine Tuk macht uns komplett, macht mich komplett, ist Ende und Anfang zugleich.
Ich merke, wieviel schwerer die Dinge heute im Vergleich zum ersten und zweiten Mal fallen.
Ich merke, wie sehr es mir fehlt, nur mit windelfreien, sprechenden und selbständigen Kindern unterwegs zu sein, die ihre Bedürfnisse äußern können.
Wir genießen die Zeit, der Tuk und ich. Ein letztes Mal ein Baby.
Jetzt können wir weitergehen, in dieses andere Leben.
Und es ist gut - einfach nur gut so wie es ist.
Freigeben - loslassen.

synapsenchaos 15.12.2011, 15.11 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Spurensuche

Und noch eine weitere Lüge entdeckt zwischen all den anderen.
Als ob es darauf jetzt noch ankäme, giftet der Kopf.
Als ob es das nicht täte, flüstert das Herz.

synapsenchaos 14.12.2011, 07.24 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Veränderung

Ich vermute, es tut immer weh, wenn man einen ureigenen Bereich plötzlich teilen muss. Einen, der nie streitig gemacht wurde, einfach so im Zuge einer Veränderung im Familiengefüge.

synapsenchaos 13.12.2011, 11.08 | PL | einsortiert in:

Zwei

Zwei Jahre werden es dieser Tage. Zwei Jahre. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, welchen Weg würde ich dann nehmen? Ich versteh es immer noch nicht und manchmal zerreißt mich das fast.
Müßig, diese Gedanken.

synapsenchaos 13.12.2011, 09.47 | PL | einsortiert in:

Sorgen und andere Belanglosigkeiten

Wenn das größte Problem von mittlerweise vier Müttern tatsächlich darin besteht, dass meine Kinder öfter in der Zeitung sind als ihre, dann kann ich mir inzwischen nur noch an den Kopf greifen.
"Und ich hab dem Zeitungsmenschen noch gesagt, dass er alle Kinder fotografieren soll! Nicht wieder nur ein paar."
Mit "ein paar" waren dann wieder meine gemeint.
Das war die Mutter, die meine Tochter vor vier Jahren beinahe in die Hecke geschubst hatte, weil der Fotograf sich mit verschiedenen Kindern unterhielt, um eines davon mit der Auszeichung, die der Kindergarten erhielt, abzulichten.
Und im Laufe der Jahre war es erst meine große Tochter, die ihrer großen Tochter ihren Ruhm im Lokalblatt klaute und nun ist es mein Sohn, der dafür sorgt, dass ihrer "wirklich echt fotogenen zierlichen hübschen" Tochter eine Karriere verwehrt bleibt.
"Hast du Beziehungen zu den Reportern oder warum sieht man immer nur deine Kinder in der Zeitung?"
Immer. Nur.
Ich hab nichts gesagt, ich hab sie nur fassungslos angestarrt.
(natürlich schlafe ich mit dem Redakteur, um meine Kinder in der Zeitung von Hintertupfingen groß rauszubringen.)
(Echt jetzt.)
(Hab ja auch sonst nichts zu tun.)
(Meine Fresse.)

synapsenchaos 08.12.2011, 11.49 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Lektionen

"Ich bin so sauer auf den Nikolaus, Mami.", gehört zu den Sätzen, die ich am frühen Morgen eher nicht hören will.
Ich liebe es, dass diese Kinder hohe Ansprüche haben, ich liebe es, dass sie trotz Enttäuschungen auf dem Weg dahin sind, dem Leben das Maximum abzuverlangen, aber manchmal...
Sie zu enttäuschen und es auszuhalten gehört dazu.
Auch Demut muss gelehrt und erfahren werden.
Manchmal könnte ich allerdings gut drauf verzichten.
Besonders um 6 Uhr morgens.

synapsenchaos 06.12.2011, 07.29 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Halb

Schwestern

synapsenchaos 28.11.2011, 18.50 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Schritt vor.

Wach.

Seit einigen Tagen schon merke ich, wie ich trotz des körperlichen Rückschritts immer wacher und aufnahmefähiger werde.
Nicht mehr soviel vergesse.
Meinen Blick und mein Empfinden am Schmerz vorbeilenken kann.

Ich hätte heute im Schlaf vor mich hingekichert, sagte der Mann, als er mich weckte.

Vorwärts.

synapsenchaos 26.11.2011, 14.42 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Verloren

Ab Ende Januar fiel ich in ein Loch aus Erschöpfung, absoluter Müdigkeit, Angst, Trauer und Schmerzen.
10 Monate sind es nun fast, die ich nur durch Watte wahrgenommen habe. Mit wachen Momenten, aber im Rückblick ist da - nichts.
Ich sehe mir die gespeicherten Bilder auf meinem Computer an und da ist - nichts.
Kein Gefühl, keine Gewissheit, daran teilgenommen zu haben.
Nur das theoretische Konstrukt, dass diese 10 Monate zu meinem Leben dazugehört haben sollen.
Ich merke, wie ich langsam wacher werde.
Wie es heller wird.
Dezember, schon fast.
Adventszeit.
Weihnachten, bald.

Ich sehe meine Kinder an und staune, wie groß sie geworden sind.
Sehe in die Augen meines Mannes und entdecke dort viel Einsamkeit und Trauer.
In etwas mehr als einem Monat werde ich entscheiden können, ob es ein gutes Jahr war.
Im Moment kommt es mir noch so vor, als hätte ich mich irgendwann darin verloren.
Traurig.

synapsenchaos 24.11.2011, 12.42 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Grau

Und obwohl ich manchmal sehnsüchtig auf das Dunkelbraun sehe, das zwischen silberfarbenen Strähnen langsam aber sicher weniger wird, ist es gut wie es ist.

synapsenchaos 22.11.2011, 09.50 | PL | einsortiert in:

Zeitsprung

Als ich das Baby dem Mann überantwortete, war es noch ein Neugeborenes.
Ich weiß nicht, womit er es in den letzten Wochen gefüttert hat, aber heute wache ich auf und neben mir liegt eine breit grinsende dicke Speckmade, die viel zu wach in die Welt kuckt.
Und während ich versuche, die Zeit zu greifen, die für mich stehen geblieben ist und für alle anderen so munter weiter läuft, macht der dicke Drops neben mir munter Spucke- und Milchschaumbläschen mit dem Mund.
Bleibt alles anders.
Die Antibiotika haben ihre Schuldigkeit getan, die Schmerzmittel werden weniger, das Trauma bleibt.
Wir tasten uns langsam wieder ans Stillen heran, Ausgang ungewiss. Momentan eher Trost als Nahrung. Für uns beide, irgendwie.
Keine Kraft für irgendetwas anderes außer mir. Nicht mal für mich ausreichend.
Und doch heute wieder so etwas wie Alltag. Ein Versuch.
Stur, hat der Mann mich heute Nacht angeschrien, wäre ich.
Und ich weiß, wie Recht er hat.
Ich will... Ich will alleine, ich will selber, ich will alles im Griff haben, ich will mein altes Leben zurück, ich will keine Schmerzen mehr haben, ich will so nicht weitermachen, ich will mir nicht helfen lassen.
Und doch bin ich drauf angewiesen, auf diese Scheißhilfe, die ich so gar nicht brauchen will. Also schweige ich stumm, wenn er meine Arbeit erledigt. Die Kinder morgens fertig macht und in den Kindergarten bringt. Essen kocht. Backt. Aufräumt. Entscheidungen trifft. Dem Baby eine Mutter ist...
Vielleicht ist das das Härteste. Vor Schmerzen das Baby nicht versorgen können.
Ein Schritt, heute. Er geht einige Stunden zur Arbeit.
Und ich stehe noch.
Nicht fest, nicht sicher, mit Schmerzen, mit Wut und Verzweiflung, aber ich stehe aufrecht.
Weiter. Immer. Weiter.

synapsenchaos 21.11.2011, 14.30 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Sechs Wochen.

Jede Beziehung ist irgendwann zuende.
Liebe ist nur ein Wort.
Manchmal erkennt man letzte Chancen erst hinterher als solche.
Ich bin ein Idiot.
Und gehe jetzt weiter.
Allein.

synapsenchaos 18.11.2011, 12.33 | PL | einsortiert in:

Schlaflos

Müde. So. Müde.
Weiter. Immer. Weiter.

synapsenchaos 17.11.2011, 01.42 | PL | einsortiert in:

Wenn du schläfst...

Das Dunkel der Nacht war immer meine größte Herausforderung.
Ich hätte dich gebraucht, heute Nacht.
Wenn ich jetzt gehe - wird ein Anderer meinen Platz einnehmen?

synapsenchaos 12.11.2011, 03.02 | PL | einsortiert in:

Bleibt alles anders

Ich habe in den letzten Tagen gleich mehrere Versprechen gebrochen, die ich mir im Laufe der letzten Jahre mühsam abgerungen habe.

Unversehrtheit.
Treue.
Achtsamkeit.

Der Boden, auf dem ich gehe, ist dünn.
Ich spüre sein Beben, die Haltlosigkeit bei jedem einzelnen Schritt. Atemlos lenke ich meine Schritte weiter. Weiter, immer weiter.
Immer darauf gefasst, im nächsten Moment in die Tiefe gerissen zu werden.
Und jedes Mal, wenn ich denke, es passiert nun, jeden Moment, jetzt, gleich... dann mache ich einen weiteren Schritt.
Ich spüre das Vibrieren unter mir.
Es ist nur eine Frage der Zeit.
Wie sehr habe ich mein Leben gelebt?

synapsenchaos 11.11.2011, 23.56 | PL | einsortiert in:

Alles wird gut. Muss es aber nicht.

Was, wenn man nun einfach aufhören würde, zu funktionieren? Wenn man sich gestatten würde, einfach nur zu sein. Man selbst.
Und wenn man auch von den anderen nicht mehr erwarten würde, dass sie sich einfügen in dieses tägliche ermüdende Spiel, das eigentlich keiner spielen will?
Würde alles zusammenbrechen oder wäre man vielleicht einfach mittendrin in einem Leben, in dem jeder er selbst sein darf?
Und wofür würde man die Energie nutzen, die man nicht mehr darauf verwenden müsste, den Anderen etwas vorzuspielen, von dem man glaubt, dass sie es brauchen oder sehen wollen?

synapsenchaos 11.11.2011, 10.38 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Einsamkeiten

Kardiologie: Ohne Herzfehler können wir definitiv nicht.
Kinderarzt: "Ich würde mir bei ihrem Mann eher Sorgen machen, wenn das Baby normalgroß wäre." Riesen-Tuk.
Eine halbe Stunde ein laut brüllendes Kind zu beruhigen und dabei in der Hocke zu sitzen, damit der Arzt weiter schallen kann, hat mir dann gestern wieder geschmeidig die Symphyse durchgehauen. Laufen war schon mal angenehmer. Leben auch.
"Sie sehen ja SO müde aus" ist einer der Sätze vor deren Aussprache man das Gehirn einschalten und einfach die Fresse halten sollte. Es wird einen Grund haben, dass das Gegenüber so aussieht.
Kiefernhöhlenvereiterung.
Mittelohrentzündung.
Laternenumzüge.
Wut. Endlose, unbeherrschbare, traurige, einsame Wut.
Dünner Faden.

synapsenchaos 09.11.2011, 14.35 | PL | einsortiert in:

Ein Monat

Statt Liebesbriefchen ans Neugeborene ein weiteres Fazit.
Gewicht: stagniert. Kann daran liegen, dass ich zu Schmerzhochzeiten am Tag - und ich habe derer einige - bergeweise Zucker und Fett in mich hineinstopfe. Das betäubt wenigstens einigermaßen und hilft, die laut kreischenden oder nicht schlafenden Kinder zu ertragen bzw. den Mann nicht zu erschlagen.
Schmerzmittel: nehme ich wieder. Könnte stattdessen aber auch Smarties essen. Hätte den selben Effekt. Heute Nacht aktuell die Tageshöchstdosis eines Medikaments genommen, was mein Körper wiederum so scheiße fand, dass ich den Morgen kotzend auf Klo verbrachte. Mit weinendem Baby hinter mir, das ganz gerne stattdessen geschaukelt/gestillt/sonstiges werden wollte.
Familie: In meinem nächsten Leben bitte nicht, danke.
Schlaf: Ich habe mal davon gehört, ja. Soll toll sein.
Partnerschaft: Immerhin hören wir in unserem Schlafzimmer, wie die Nachbarn unter uns Sex haben. Auch wenn ich aufgrund der Taktfrequenz, in der das Bett der Nachbarn an die Wand haut, vermute, dass es sich um langohrige Nager handelt. Der pure Neid, der mich zu diesen Gedanken treibt. Wer möchte schon nicht gerne Bugs Bunny im Bett haben.
Depression: schön, sich an grauen Novembertagen oft bei dem Gedanken zu erwischen, dass wenigstens aufgeräumt ist, falls ich dem Leben plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehe.
Freude: Die einzige Betätigung, die wirklich Freude und Zufriedenheit in mir auslöst, wurde aufgrund von Nervenschmerzen in den Armen nun auch gestrichen.
Fortschritte: Laufen wird besser.
Gebärmutterschmerzen sind auch erträglich geworden.
Und ich habe letzte Woche nur zweimal in die Hose gemacht. Einmal davon auf dem Spielplatz, auf dem ich mich mit nasser Hose und unter 10 Grad geweigert habe, nach 5 Minuten zu sagen, dass wir nach Hause müssen, weswegen ich jetzt noch eine feine kleine Entzündung mehr habe. Aber wer zählt schon.

Ich versuche, nicht verrückt zu werden.
Aber langsam gehen mir die Optionen aus.

synapsenchaos 07.11.2011, 15.15 | PL | einsortiert in:

Verlorene Tage

Ich habe seit der Geburt jeden Tag ein Foto gemacht.
Weil ich ganz tief hinten in meinem Kopf weiß, dass ich mir diese Zeit irgendwann ansehen will, wenn sie schon nur durch den Schleier von Angst, Schmerz und Panik wahrgenommen wurde.
Es wird heller, langsam, und ich sehe dieses Baby, dass nun 4 Wochen mit uns lebt und frage mich, wie es wohl vor zwei Wochen, vor drei Wochen, nach der Geburt ausgesehen hat.
Ich werde mir diese Bilder irgendwann ansehen.
Letztes Baby. Letzte Male. Ich räume die erste Kleidung nach und nach in Kisten - das erste Mal ohne leise Vorfreude und das Wissen, dass da noch ein Mitglied unserer Familie fehlt, das ebenfalls diese Kleidung in seinen ersten Tagen auf dieser Welt tragen wird.
Erste Schritte und letzte Schritte nebeneinander.
So schwer zu tragen.
So weit von meiner Mitte entfernt, wie es nur möglich ist.

synapsenchaos 04.11.2011, 11.28 | PL | einsortiert in:

36

Ich.schaff.das.
Ich.will.mein.Leben.zurück.

synapsenchaos 02.11.2011, 18.01 | PL | einsortiert in:

30

30 Stunden ohne Schmerzmittel. Die Fortschritte, die ich dachte, gemacht zu haben, waren reine Illusion.
Heute Nacht, irgendwann zwischen 2 und 4 Uhr, war der Medikamentenschrank ein sehr verführerisches Objekt.
Standhaft geblieben.
Bleibt die Frage nach dem Sinn.
Weiter.

synapsenchaos 02.11.2011, 11.56 | PL | einsortiert in:

Zwischenstände

  • auch beim vierten Kind wird es nicht schöner oder angenehmer, voll eingeschäumt aus der Dusche zu steigen, um den Schnuller zu reichen.
  • Es gibt Kinder, die mögen nicht ins Tragetuch. Der kleine Tuk beispielsweise. Das letzte Kind bekam dann also tatsächlich noch einen Kinderwagen. Einen richtigen Kinderwagen. Mit allem Drum und Dran. Eine Wissenschaft, die definitiv nichts für mich ist. Aber er mag es, das ist die Hauptsache.
  • Drei große Geschwister, die den kleinen Tuk abgöttisch lieben, sind eine Herausforderung. Entweder er wird total psychotisch oder der ausgeglichenste Mensch der Welt. Ich habe mich in den letzten Wochen für die Psychose entschieden, nachdem ein Kind ständig seine Haare durchwuschelt und mit MinniMaus-Stimme komische Dinge säuselt, eines ihn mit Salami füttern will (mit Beikost kann man ja gar nicht früh genug anfangen) und das dritte ständig meine Oberteile hochzieht und an den Brüsten herumdrückt, um nach der Milch zu kucken, falls der kleine Tuk Hunger hat.
  • Mit Anfang 20 bei einer Schwangerschaft 30 kg zuzunehmen und danach wieder ab, ist kein Problem. Mit Mitte 20 ein bisschen was zuzunehmen und danach wieder ab, auch nicht. Mit Ende 20 während der Schwangerschaft sein Gewicht zu halten, sowieso nicht. Mit Anfang 30 während der Schwangerschaft 20kg abzunehmen und danach noch weiter, ist eine ernsthafte Herausforderung für einen Körper und besonders für die Haut.
    Ich wette - und ich werde nicht den Beweis antreten - wenn ich anfangen würde zu joggen, würde es sich anhören, als würde man eine sabbernde Dogge bei Tempo 130 in den Fahrtwind halten.
  • Humor ist, wenn man trotzdem noch mal Sex hat.
  • Langsam bin ich bereit für ein größeres Auto. Vielleicht nicht mehr dieses Jahr, aber der Gedanke ist nicht mehr ganz so erschreckend. Kann auch daran liegen, dass ich Spaziergänge hasse, die nur dazu dienen, an einen anderen Ort zu kommen, an dem man dann spazieren gehen will.
  • Blicke - diese Blicke - sind zum Kotzen.
  • Fragen - diese Fragen - auch. Ich wurde etwa dreimal gefragt, wie es mir ginge, etwa dreißigmal, ob das jetzt aber das letzte Kind sei. Oh, und nach einer Woche immerhin einmal, ob das Baby denn schon durchschlafen würde.
  • Das alte Spiel "Ich hatte die schlimmste Geburt der Welt" ist nach wie vor aktuell. Was man sich mit einem Neugeborenen für Horrorgeschichten anderer Menschen anhören kann, die allesamt fast verblutet wären, ohne Narkose per Notkaiserschnitt fast im Taxi entbunden wurden, auf andere dramatische Arten beinahe gestorben wären oder entweder bis zur Leber/Milz/in den Zwölffingerdarm gerissen sind und mit wahlweise 50 Stichen genäht wurden oder drei Jahre später noch nicht richtig kacken können, ist faszinierend. Und interessiert mich ... gar nicht. Von der einen Frau kenne ich nicht mal ihren Namen, geschweige denn, dass ich wüsste, ob sie überhaupt Mutter eines Kindergartenkindes ist. Sie gesellte sich einfach zu der Runde schnatternder Frauen, die erst mein Kind betrachteten und dann blutige Details aus ihren Geburten zum Besten gaben.
  • Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich die Zeit lieber schneller vergehen lassen oder sie anhalten möchte. Mal so, mal so.
  • Sehnsucht ist Scheiße. Richtig Scheiße.

synapsenchaos 02.11.2011, 11.54 | (0/0) Kommentare | PL | einsortiert in:

Nerven, blank.

Wenn jeder Laut und jede Bewegung eines anderen Menschen starke körperliche Schmerzen verursachen.
Gedulds- und Zerreißprobe.
Weiter.
Ab heute ohne Schmerzmittel.
Ich will mein Leben zurück.

synapsenchaos 01.11.2011, 11.16 | PL | einsortiert in:

Verführung

So verlockend, einfach zu fliehen. So oder so.
Sucht, Tod, was auch immer. Ist im Grunde vielleicht sogar das Gleiche.
Die Rückkehr ist es, die Probleme bereitet.
Kleines zahnloses Lächeln, das mich in dieser Welt hält.
Dieser Geruch, der mehr als nur fünf Sinne anspricht...
Der Hauch einer Ahnung nur, was noch kommen könnte.
Müde.
Trostlos.
Es muss nicht gut sein, um weiterzugehen.
Ab einem bestimmten Punkt geht es nur noch um die Sache als solche.
Weiter, immer weiter.

synapsenchaos 31.10.2011, 15.01 | PL | einsortiert in:

Verbittert

Wenn man sich nicht mal mehr traut, einen blöden Wunsch zu äußern, weil alle Katastrophenszenarien der Vergangenheit plötzlich vor dem geistigen Auge auftauchen.
Auszeit zur Erholung, nur um dann heute Abend gestresster zu sein als jetzt - nein danke.

synapsenchaos 30.10.2011, 15.27 | PL | einsortiert in:

Fortschritte

Drei Wochen und es ist mit viel harter Arbeit Besserung in Sicht. Schön ist das alles nicht. Die Verletzung der Symphyse geht langsam ins Erträgliche. Wobei ich das gar nicht so genau sagen kann, weil ich seit 20 Tagen Schmerzmittel schlucke. Massig.
So ne Blitzgeburt ist wirklich verheerend... wenn man nicht gerade darauf steht, dass ein 4 Kilo Baby mit einer einzigen Presswehe von ganz tief im Bauch mit viel Gewalt auf die Welt katapultiert wird. Das ist so eigentlich nicht vorgesehen und ich erkenne, dass es einen Sinn hat, dass Babys langsam zur Welt kommen. Gewebe ist nur begrenzt belastbar und mein Unterleib ist ein einziger Kollateralschaden.
Banale Erkenntnisse wie die Tatsache, dass Schließmuskeln eine tolle Erfindung sind, so lange sie funktionieren, gibt es jeden Tag wieder aufs Eindrucksvollste vorgeführt. Das Leben ist kein Ponyhof.
Mein Körper und ich schachern um jeden Zentimeter. Es geht einen Schritt vor, einen zurück. Mal sind es auch eineinhalb nach vorne, mal dann wieder zwei zurück. Wer gewinnt, kann ich noch nicht absehen.
Wir halten uns gar nicht erst mit Äußerlichkeiten auf, auch wenn ich den Blick in den Spiegel weitestgehend meide. Meine Bauchdecke ist ohnehin mein geringstes Problem, wenn mein Genitalbereich aussieht, als hätte man eine Handgranate in eine Rinderhälfte geworfen. Auf eine surreale Art und Weise ... interessant. Wenn es einen nicht gerade selber betrifft.
Als die Hebamme nach der Geburt hektisch in meinen Bauch drückte und mein Mann sich um das Baby kümmern musste, weil sie meine Gebärmutter daran hindern musste, einfach rauszufallen, war es fast schon humoresk, wie sie ihn durch die Schubladen dirigierte und er wie ein Hebammenpraktikant ihre Aufgaben übernahm, während ich dort lag/hockte/wasauchimmer und meine Organe wieder in den Körper gedrückt bekam.
Nicht so lustig war das Erlebnis einige Tage später, als ich ein Kind hochheben wollte und dann keiner da war, der hätte drücken können.
Immerhin, ich weiß inzwischen, wie sich drei Wochen migräneartige Dauerkopfschmerzen anfühlen. Ich bin einfach umgekippt, als ich mir auf einem Bein stehend einen Socken anziehen wollte. Geht nicht mehr. Beckenverletzung. Entzückend. Stabilität war gestern. Man sollte ja eh mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben... Ist auch bodenständiger. (nicht abheben, kein Ponyhof hier...)
Die Milch ist nach einer feinen kleinen Brustentzündung nun weg, der Kreislauf auch. Die Sehstörungen sind inzwischen jenseits von Gut und Böse. Aber hey, ich kann meine Füße wieder sehen, wenn ich dann mal was sehe.
20kg weniger als vor der Schwangerschaft und es wird täglich weniger. Stress ist super, wenn man abnehmen will. Wenn nicht, eher nicht.
Bauchmuskeln sind bis auf einen Fingerbreit wieder zusammen, beim Bauchmuskeltraining mache ich inzwischen erst nach der vierten Wiederholung schlapp. (das lohnt ja das Hinlegen nicht, Mami, sagt der Kobold)
Ironman, ich komme.
Beckenbodentraining läuft wunderbar, wenn man die Schmerzen nicht beachtet. Aber da ich aus anderen Gründen eh tonnenweise Schmerzmittel konsumiere - auf professionellen Rat hin - ist das vermutlich eh nur das gedämpfte Gefühl. Also wann anfangen, wenn nicht jetzt, wo noch so viel betäubt wird. Und den Rest meines Lebens Windeln tragen lehne ich vorerst mal für mich ab.
Oh, letzte Woche Donnerstag hätte ich fast den ersten Tag seit der Geburt nicht geheult. Fast. Aber immerhin. Ich arbeite dran.
"Ist alles vergessen, wenn das Baby dann erst mal da ist."
Jaja, du mich auch.

synapsenchaos 27.10.2011, 17.24 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Gewissensfrage

Wie bringt man seiner Familie bei, dass einem nach allem ist, aber nicht danach, seinen Geburtstag zu feiern?
Vor allem - einen Tag vorher...

synapsenchaos 25.10.2011, 11.18 | PL | einsortiert in:

Gesegnet


synapsenchaos 24.10.2011, 09.04 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Weiter. Immer. Weiter.

Ich bin schon aus ganz anderer Scheiße wieder rausgekommen.
In diesem Sinne.

synapsenchaos 16.10.2011, 15.39 | (3/1) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Ankommen

Schnelle Geburt, schnuffeliges Baby, viel Milch, Stillen, Träumereien, Kennenlernen, Ruhe, Muße, im Bett bleiben, sich verwöhnen lassen, ankommen...

Ich habe in nun 5 Tagen gelernt, dass das diesmal nicht klappt.

Mein Körper ist schwer traumatisiert nach der Geburt, ich habe unter den Presswehen einige grausame Flashbacks erlebt, die auch 5 Tage später immer noch meinen Geist in die Knie zwingen, wenn ich mir einen flüchtigen Blick darauf erzwinge, es mischen sich grenzenlose Energie und die körperliche Erschöpfung aus 9 Monaten Schwangerschaft, in der sich Muskeln und Kapazitäten enorm zurückgebildet haben und ich schwanke zwischen Schlafmangel, viel zu viel Blut, Tränen der Verzweiflung und der Freude und körperlichen Schmerzen, die ihresgleichen suchen.
Romantisch ist das alles wohl nicht.
Mitten im Kampf traf ich Sonntagnacht eine Entscheidung, die eine Gute war.
Loslassen.
Immer noch gebären, dies alles.
Ein neues Leben. Seins wie unseres.
Das neue Leben als Familie muss nicht so klappen, wie wir uns das wünschen oder gedacht haben oder wir es kennen.
Es muss für uns funktionieren. Im Hier. Im Jetzt. Jeden Tag und jedes Mal neu.
Ich darf mich verwundet fühlen. Ich bin es. Damals wie heute, wo das alles wieder hochgeholt wurde.
Wenn mein Geist von Erinnerungssequenzen überflutet wird, wie ich angebunden und geknebelt dort liege, Geschlechtsteile und Brüste blutig und verletzt, dann muss ich kein Kind stillen.
Dann darf ich auf den Schrank mit den Flaschen zeigen und einfach nur warten.
Langsam weitergehen. Allein.
Um dann einige Stunden später freiwillig und nur der Liebe geschuldet mein Kind wieder ans Herz zu drücken und es zu ernähren. Weil ich bereit bin. Achtsam. Mir selbst gegenüber. Ich habe diese Wahl.
Und seit ich mich selbst nicht mehr ans Licht zwinge, sondern es ertragen kann, einen Moment in der Dunkelheit zu kauern, wird es wieder heller.
Ein entspannter kleiner Mensch ist er, der kleine Wanderer.
Er macht es uns so leicht, weiterzugehen.
Mit Tränen.
Mit viel Wut und Verzweiflung und Trauer.
Mit viel Liebe.
Immer Hand in Hand.
Seite an Seite.
Ankommen.

synapsenchaos 12.10.2011, 10.14 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Wunden

Vielleicht muss nicht immer alles gut sein.
Vielleicht reicht es manchmal, wenn es sein darf, wie es ist.
Und man dann trotzdem weitergeht.
Ganz langsam.

synapsenchaos 09.10.2011, 15.01 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Zwischen Traum und Trauma

Seit 26 Stunden wach, davor 2 Stunden geschlafen, seitdem erst Wehen, dann Presswehen, seitdem Nachwehen.
Und was für welche.
Ich bin hier die Einzige mit Brüsten, von daher ist meine Rolle klar und nach nun 4 Stunden Dauerstillen ("der trinkt heute nix mit dem ganzen Fruchtwasser in der Lunge!") ist der kleine Tuk kurz eingenickt und ich warte aufs nächste Schreien.
Um 6 Uhr hat der große Mann mit einigen Unterbrechungen immerhin 6 Stunden geschlafen und ich werde ins Bett fallen.
Einfach so.
Weil ich es mir verdient habe.
Nach 30 Stunden Marathon.

Angefangen hat alles mit einem Traum.
In diesem Traum kamen viele Sterne vor, viel Frieden, viel Reise, viel Verbundenheit.
Und ich wachte auf und lächelte.

Das war 2 Uhr nachts.
Gestern.
Dann machte es "Poff" - wie in einem Donald Duck Comic - und das wars mit der Fruchtblase.
Fünf Handtücher später schlug ich dem großen Mann vor, wir schlafen einfach weiter.
Nicht so der kleine Mann in der Fruchtblase.
Wehe folgte auf Wehe, wurde stärker, schneller, heftiger.

Aber von drei vorhergehenden Geburten weiß ich ja - ich habe eine Wehenschwäche.
Egal, wie viele da sind - sie bringen nichts für die Geburt.
Also habe ich die Ruhe weg.
Wir bleiben so lange wie möglich zuhause, bis wir die Hebamme anrufen.
Um 6 Uhr, damit sie ausgeschlafen ist und wir mit dem Tropf im Krankenhaus anfangen können.
Wie jedesmal.
Denn eigene Wehen - kann ich ja nicht.

Ja.

Als der Mann dann gegen kurz nach 7 Uhr mit unserem Auto, in dem sich drei unausgeschlafene Kinder befanden, mit Tempo 80 über rote Ampeln mitten im Berufsverkehr durch die Innenstadt heizte, während ich harmlose Passanten aus dem geöffneten Seitenfenster anbrüllte, weil ich die Wehen nicht mehr veratmen sondern nur noch rausschreien konnte, war der Plan ja eigentlich noch, vorher einen kurzen Abstecher zur Tagesmutter zu machen, um die Kinder rauszuwerfen.

Denn: wir haben ja Zeit. Kurz vor der Kreuzung schreie ich mitten in einer Wehe den Mann also an, ja nicht abzubiegen, sondern zum Krankenhaus weiterzurasen und röhre nach wie vor wie ein brünftiger Hirsch aus dem Fenster und kneife die Beine zusammen. Ist irgendwie anders als sonst, denke ich noch so.

Am Krankenhaus angekommen herrscht der Mann die Kinder aus dem Auto, ich wanke Richtung Fahrstuhl, aus dem eine Schwester hektisch mit weitaufgerissenen Augen zwei wehrlose Rentner wieder herauszieht, nachdem sie mich, den Mann und die Kinder erblickt und uns kommentarlos hineinschiebt, einen Knopf drückt und sowas wie viel Glück wünscht.

Ich schwanke zwischen Schmerzkoma und einem fassungslosen: Ich habe doch eine Wehenschwäche.

Vor dem Kreißsaal meine Hebamme, die mich an den Händen fasst und ein bisschen komisch ansieht, neben mir Schwestern und Ärzte, die die Kinder vor den nächstbesten Fernseher führen und ein Mann, der die Tür zum Kreißsaal hinter uns schließt.

Tropf, denke ich noch, als die Hebamme bei der Untersuchung was von 9 cm murmelt.

Wehenschwäche, denke ich und verlange einen Zugang.

Dann kann die Geburt ja endlich anfangen.
Es ist kurz vor 8 Uhr.

"Ich kann da keinen Zugang legen", murmelt die Hebamme, als ich zwischen zwei Wehen meine Hand hinstrecke.
Also Armbeuge, nachdem die erste Ader platzte.
Die Wehen kamen gefühlt alle 10 Sekunden und hielten 3 Minuten.

Der Mann hielt meinen Arm, die Hebamme versuchte im Laufen, mit der Nadel eine Ader zu treffen, während ich im Raum umherwankte, Wehen aus mir herausstöhnte und mal dringend auf Klo musste.
Wehentropf, denke ich noch.

Irgendwann ist alles voller Blut, weil die Rahmenbedingungen nun mal eher suboptimal waren, ich bekomme noch ne halbe Binde um den Arm gewickelt, damit die Nadel nicht rausrutscht und soll zum CTG.

Gute Idee, denke ich.
Mal sehen, ob man die Wehen überhaupt aufzeichnen kann oder ob sie zu schwach sind.

Aber alles, was mir an den Bauch geklemmt wird, ist der Herztonkopf für das Baby.
Wehen, denke ich noch.
Da müssen wir doch was aufzeichnen, wenn wir gleich einleiten.

Ich schreie inzwischen ununterbrochen.

Der Mann kommt irgendwie durch die Wand aus Schmerz und teilt mir mit, dass die Tagesmutter am Krankenhaus ist und die Kinder abholt.
Er würde sie jetzt runterbringen und dann wiederkommen.
Wir haben ja Zeit, denke ich.

Und frage mich halb taub, ob ich das überlebe.
Wenn wir erst mal einleiten und die Wehen schlimmer werden.
Es ist 8 Uhr.

Ich schreie mir die Seele aus dem Leib, alles triggert, alles ist furchtbar, ich falle von einem Panikanfall in den nächsten, will Schmerzmittel und höre immer nur, es ist zu spät.

Ich brülle, ich kann nicht mehr, die Hebamme brüllt mich an, ich soll die Luft anhalten und pressen, ich brülle, ich bin noch nicht so weit, der Mann kommt zur Tür reingerannt, brüllt mich auch noch an und da platscht es schon aufs Bett.

Wehentropf, denke ich noch,als der Mann das Baby hochnimmt.

Und irgendwann lasse ich mir von ihm die Geschichte mal erzählen, wie sie aus seiner Sicht verlaufen ist.

Nicht heute.
Vermutlich auch nicht morgen.

Aber irgendwann sicherlich.

synapsenchaos 08.10.2011, 04.15 | (3/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

So freitags

Mann und Baby im Bett, tiefer innerer Frieden in mir.

Ja.

Schlussendlich und ganz allumfassend.

Ja.

synapsenchaos 07.10.2011, 14.39 | (2/0) Kommentare (RSS) | PL | einsortiert in:

Schmerzhafte Erkenntnis

Ich bin von lauter unfähigen Idioten umgeben.

synapsenchaos 06.10.2011, 15.55 | PL | einsortiert in:

Über jede Grenze

Ich wünschte, ich hätte den Mut und die Kraft, die Verzweiflung, die in mir tobt, in Worte zu fassen.
Ich wünschte...
Ich spüre, dass wir Zeit bräuchten.
Es ist das Einzige, das wir nicht bekommen werden.

Das Kind wird am Samstag geholt.
Das Kind...
Wann habe ich angefangen, so über dich zu denken?

Ich wünschte, wir hätten Zeit.
Ich wünschte, ich könnte mich von dir verabschieden.
Ich wünschte, du könntest deinen Zeitpunkt selber wählen.
Ich wünschte, ich dürfte dich selbstbestimmt gebären.
Ich wünschte...

Ich wollte dich zur Welt bringen. Du und ich. Ich und Du.
Deine Geburt sollte nichts werden, das ich einfach nur hinter mich bringen will.
Kein Ausflug in die blutrote Schwärze meiner tiefsten Albträume, sondern ein Weg ins Licht.

Ich hoffe, dass du mir das irgendwann verzeihst.
Ich hoffe, dass ich mir diesen Weg irgendwann verzeihen werde.

synapsenchaos 05.10.2011, 18.49 | PL | einsortiert in: